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Leichtbau in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg

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Branchenstruktur- und Standortanalyse für den Bereich Leichtbau in Berlin und Brandenburg

Potenzialanalyse

Potenzialanalyse Leichtbau 7. Ableitung von Handlungsempfehlungen Im Folgenden werden konkrete Handlungsempfehlungen zur Stärkung des Leichtbaus in Berlin abgeleitet. Dabei kommen die klassischen Methoden der SWOT-Analyse mit der Zielstellung, Nutzen aus Stärken und Chancen zu maximieren und die Verluste aus Schwächen und Gefahren zu minimieren, zur Anwendung. Die aus der SWOT erschlossenen Handlungsempfehlungen lassen sich drei Schwerpunktbereichen zuordnen, die wie folgt kategorisiert werden können: a) Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit b) Schwerpunktbildung unterstützen c) Ansiedlung Die Handlungsempfehlungen werden im Folgenden erläutert. a) Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit Zielstellung ist die Stärkung der regionalen Leichtbauakteure durch die Schaffung von Transparenz über bestehende Angebote und Strukturen in der Region. Dies beinhaltet unter anderem im Kontext Leichtbau Informationen über: • relevante Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft • vorhandene Wertschöpfungsketten in der Hauptstadtregion • Fördermöglichkeiten für Projekte mit Leichtbaubezug auf Landes-, Bundes- und EU- Ebene Eine Verstärkung der Vernetzung könnte durch gezielte Information über die am Standort vorhandenen vielfältigen Kompetenzen im Leichtbau erfolgen, z. B. über einen Kompetenzatlas, einen regionalen Newsletter bis hin zur Schaffung einer Koordinationsstelle, die als neutraler und branchenübergreifender Ansprechpartner für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft den Technologie- und Wissenstransfer im Leichtbau unterstützt und eine „Lotsenfunktion“ innehat. Eine Verzahnung mit den Handlungsempfehlungen des neuen, noch nicht veröffentlichten Masterplans „Industrie“ ab 2022 bietet sich an, z. B. durch die Setzung leichtbauspezifischer Akzente im Rahmen von Cross-Innovationsworkshops oder anderen Vernetzungsaktivitäten. Ebenfalls könnten Maßnahmen zur Schaffung von Transparenz über Förderprogramme konzipiert werden. Im Fokus könnten dabei Programme ohne direkt ersichtlichen Leichtbaubezug stehen, welche die Umsetzung leichtbaubezogener Vorhaben trotzdem unterstützen können. b) Schwerpunktbildung unterstützen Durch die gezielte Fokussierung von Unterstützungs- und Vernetzungsaktivitäten für die Leichtbauakteure auf zukunftsträchtige Bereiche, in denen es bereits eine Bündelung von Kompetenzen am Standort gibt, können die Stärken der Region bestmöglich genutzt und ausgebaut werden. Dies sollte entlang der Kategorien „Branche“, „Material“ und „Technologie“ erfolgen, beispielhaft in dieser Form: • Branchenschwerpunkte – Medizin, Mobilität (vgl. auch Handlungsempfehlung c) • Materialschwerpunkte – Kunststoff, Metall, Verbundwerkstoffe • Technologieschwerpunkt – Additive Fertigung Die Materialien Kunststoff und Metall werden in der Hauptstadtregion bereits breit eingesetzt. Vor dem Hintergrund der Mobilitäts-, Klima- und 33

Potenzialanalyse Leichtbau Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung trägt Leichtbau unter Verwendung dieser Materialklassen als technologische Option zur Erfüllung dieser Ziele bei, insbesondere im Fahrzeugund Maschinenbau (vgl. die Leichtbaustrategie für den Industriestandort Deutschland des Bundeswirtschaftsministeriums, Maßnahmenpaket 8 [BMWI 2021b]). Bei der Schwerpunktbildung in Richtung Kunststoff und Metall sollte darauf geachtet werden, auch das Thema „neue Materialien“ einzubeziehen, da diese z. B. in Verbundbauweise vorteilhaft genutzt werden können. Hier kann auf die hohe Kompetenz der Forschung in der Region zurückgegriffen und der Technologietransfer durch Vernetzungsarbeit (vgl. Empfehlung a)) gezielt unterstützt werden. Im Bereich Verbundwerkstoffe lassen sich auf Basis der im Rahmen der Studie durchgeführten Recherche insbesondere Kompetenzen in Carbonfaserverbundwerkstoffen (CFK) und Glasfaserverbundwerkstoffen (GFK) für die Region darstellen. Daher sollte der Innovationstransfer gestärkt werden, um neue Verbundmaterialien in Marktreife zu bringen; dies mit der Zielstellung der Weiterentwicklung der vorhandenen Wertschöpfungskette. Konkrete Beispiele sind hier kera mische Verbundwerkstoffe oder Metallmatrixverbundwerkstoffe. Die Kompetenz im Bereich digitaler Technologien, die am Standort vorhanden ist, kann die Schwerpunktbildung vorteilhaft unterstützen, z. B. KI-basierte Methoden und virtuelle Prozessketten. Dass Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) im Leichtbau vor allem auf den Ebenen Bauteil/Funktion, Entwicklung und Fertigung schon immer eine bedeutende Rolle gespielt haben, ist damit begründet, dass meist bestehende Technologien mit Leichtbauansätzen substituiert werden sollen (in diesem Fall exemplarisch: konventionelle Bauteile durch Bauteile in Leichtbauweise). Nur wenn neue Lösungen nachweislich greifbare Vorteile bieten, werden sie in der Praxis umgesetzt. Daher wird diese Nachweisführung bereits beginnend in einer sehr frühen Phase der Entwicklung mittels modernster Simulationstechnologien bis hin zu einem „Digitalen Zwilling“ erbracht. Die Leichtbaustrategie für den Industriestandort Deutschland des Bundeswirtschaftsministeriums empfiehlt auf dieser Basis, die Methodenentwicklung zur Digitalisierung des Leichtbaus zu fördern. Eine vertiefte Bestandsaufnahme der regionalen Anbieter digitaler Technologien, deren Dienstleistungen einen Mehrwert für den Leichtbau bieten, und eine gezielte weitere Vernetzung mit den Leichtbauakteuren bietet sich daher an. Zudem könnte eine Ausweitung des Aus- und Weiterbildungsangebots im Bereich „Digitalisierung im Leichtbauin der Region zusätzliche Akzente setzen. Die Leichtbaustrategie des Bundeswirtschaftsministeriums weist in ihrem Maßnahmenpaket 3 (Aus- und Weiterbildung in nachhaltigen Leichtbautechnologien gestalten und fördern) ebenfalls auf die Wichtigkeit hin, „eine breite und nachhaltige Basis für innovativen Leichtbau aus Deutschland zu schaffen“ [BMWI 2021b]. c) Ansiedlung Aus der Gewinnung von weiteren großen Unternehmen mit Leichtbaubezug, welche idealerweise eine eigene Produktentwicklung vor Ort aufweisen, würden sich perspektivisch viele Vorteile ergeben. Dies wird ebenfalls im Rahmen der Experteninterviews bestätigt: • Es werden neue Leichtbau-Absatzpotenziale vor Ort geschaffen. • Die räumliche Nähe zu großen Unternehmen mit Leichtbaubezug fördert erfahrungsgemäß die Kooperation mit 34

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