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Einrichtungsbefragung zur Situation in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg

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Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg ⎜ 229 offiziellen Daten vor. Hinweise auf die Altersstruktur müssen sich daher auf andere Datenquellen stützen. So liegen Angaben zur Altersstruktur der Selbständigen vom Verband deutscher Podologen (VDP) sowie zur Altersstruktur der Mitglieder des Zentralverbandes der Podologen und Fußpfleger (ZFD) Deutschlands vor. Die Angaben des VDP decken knapp zwei Drittel der in Berlin und Brandenburg tätigen selbständigen Podologen und Podologinnen ab und weisen auf eine deutlich ältere Zusammensetzung hin als im Bereich der sv-pflichtigen Beschäftigung. Demnach sind 55 Prozent der selbständigen Mitglieder im VDP 50 Jahre und älter. Dieser Befund wird tendenziell durch die Daten des ZFD gestützt, in diesem Verband sind die Mitglieder in 35 Prozent der Fälle 50 Jahre und älter. 204 Auch wenn diese Angaben den Anspruch der Repräsentativität nur bedingt beanspruchen können, deuten sie doch auf einen stärkeren altersbedingten Ersatzbedarf hin, als durch die bloße Betrachtung der Altersstruktur sozialversicherungspflichtig Beschäftigter deutlich wird. 205 Keine wahrnehmbaren Verflechtungsbeziehungen zwischen Berlin und Brandenburg Anders als in anderen hier untersuchten Berufen spielen die Pendlerströme zwischen Berlin und Brandenburg sowohl absolut als auch gemessen am Beschäftigungsumfang keine Rolle. 206 Daher wird an dieser Stelle auf eine Beschreibung der Verflechtungsbeziehungen verzichtet. Relevante Neueinstellungen in 2013 bei stark variierenden Stellenbesetzungszeiten Im Jahr 2013 haben 30 Prozent der Antwortenden in Vollzeit, 25 Prozent in Teilzeit mindestens eine Person eingestellt. Insgesamt sind im Jahr 2013 von den antwortenden Einrichtungen 36 Personen eingestellt worden, davon etwas mehr als die Hälfte in Vollzeit (53 Prozent, 19 Vollzeitstellen). Im Jahr 2014 schwächt sich das rege Einstellungsverhalten etwas ab. Knapp ein Viertel der Befragten (sieben von 29 Antworten auf diese Frage) gaben an, dass im Jahr 2014 bereits mindestens eine Einstellung erfolgt sei. Eine Einstellung geplant wurde im Jahr 2014 noch von mehr als der Hälfte der Antwortenden. Inwieweit 2013 der Fachkräftebedarf gedeckt werden konnte, lässt sich auch daran ablesen, ob eine Stelle aufgrund fehlender geeigneter Bewerber/innen besetzt werden konnte. Diesbezüglich zeigen sich erste Anzeichen eines Fachkräfteengpasses. Immerhin 22 Prozent (12 Antwortende) gaben an, dass im Jahr 2013 insgesamt 14 Stellen offen geblieben seien. Die Einrichtungen wurden darüber hinaus danach gefragt, wie lange die Besetzung einer offenen Stelle im Durchschnitt gedauert hat. Auch wenn die Anzahl der vorhandenen Antworten mit 19 gering ist, deuten die Angaben darauf hin, dass die Suche nach Podologen und Podologinnen für die Antwortenden zum Teil schwierig ist. Die Einrichtungen, die angegeben haben, dass die Besetzung einer offenen Stelle mindestens eine Woche oder mehr dauert (16 Antworten), geben eine Spanne zwischen einer und maximal 250 Wochen 204 Durch den ZFD wurden Angaben zu 227 Personen übermittelt. Hierbei wurde jedoch nicht danach unterschieden, ob die Mitglieder selbständig sind oder nicht. 205 Dieser Tatbestand ist plausibel, da Selbständigkeit in der Regel erst zu einem relativ späten Zeitpunkt der eigenen Berufskarriere eine relevante Option darstellt. 206 Insgesamt wurden am 30.06.2013 in Berlin 9 Einpendler und 18 sv-pflichtig beschäftigte Auspendler gezählt.

230 ⎜ Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg an. Die Zeitspanne von mehr als einem Jahr zur Besetzung einer offenen Stelle wurde in sechs der 19 Fälle genannt. Auch in Verknüpfung mit anderen Befunden der Befragung 207 deutet dies auf einen deutlichen Fachkräftebedarf in der Podologie hin, der aktuell nur bedingt befriedigt werden kann. Zusätzlicher Fachkräftebedarf aufgrund von Fluktuation Neben rentenbedingten Abgängen aus dem Beruf ist in jedem Berufsfeld ein zusätzlicher Fachkräfteverlust aufgrund von Fluktuation zu beobachten. Zu diesem Aspekt stehen für die Podologie keine Primärdaten aus den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit oder anderer Quellen zur Verfügung. Die nachstehenden Überlegungen müssen sich entsprechend auf artverwandte Analysen stützen. 208 Zum Teil befassen sich die Studien mit der Frage, welche Gründe für eine geringe oder hohe Berufstreue ausschlaggebend sind. 209 Zum Teil beziehen sich die bestehenden Analysen auf Befragungen von Absolvent/innen von Berufsfachschulen hinsichtlich ihrer erwarteten Verweildauer im Beruf. 210 Die aus den Studien für den Bereich der Podologie ableitbaren Erkenntnisse lassen eine geringe Fluktuation plausibel erscheinen. So ist die Berufstreue übergreifend bei examinierten Fachkräften höher als bei Helfertätigkeiten. Podologen und Podologinnen sind, wie beschrieben, in der Regel dem Anforderungsniveau der Fachkraftebene zugeordnet. Weitere Studienkenntnisse deuten darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit eines Berufswechsels steigt, je inhaltlich verwandter Berufe sind. Gleichartige Beschäftigungsalternativen für Podologen und Podologinnen dürften verhältnismäßig gering sein. Für eine höhere Fluktuation spricht, dass Berufsabbrüche vor allem in den ersten Jahren nach dem Ausbildungsabschluss zu konstatieren sind. Die Podologie ist im Bereich der svpflichtigen Beschäftigung von jungen Beschäftigten geprägt, was entsprechende Auswirkungen auf die Berufsabbrüche haben könnte. Allerdings könnte dieser für andere Gesundheitsfachberufe geltende Befund für die Podologie nur eingeschränkte Gültigkeit haben, da die Ausbildung von den Auszubildenden selber finanziert wird und daher eine hohe Motivation besteht, diesen Gesundheitsfachberuf auszuüben. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass die Altersstruktur der freiberuflich Tätigen in der Podologie recht deutlich über den Anteilen in der sv-pflichtigen Beschäftigung liegt. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen wird angenommen, dass die Fluktuation ungefähr auf dem Niveau der Gesundheits- und Krankenpfleger/innen liegt. Hierbei ist zwischen der Berufstreue im engen (Verbleib im gleichen Gesundheitsberuf) und der Berufstreue im weiten Verständnis (Verbleib im gleichen Gesundheitsberuf oder ähnlichen Berufen) zu 207 Beispielsweise liegt der Anteil der Einrichtungen, die eine steigende Beschäftigungsentwicklung erwarten, in der Podologie ausgesprochen hoch. 208 Beispielhaft zu nennen sind: Wiethölter, Doris (2012): Berufstreue in Gesundheitsberufen in Berlin und Brandenburg. Die Bindung der Ausbildungsabsolventen an den Beruf: Ausgewählte Gesundheitsberufe im Vergleich, in: IAB-Regional (3/2012); Joost, Angela, Kipper, Jenny, Tewolde, Tadios (2009): Projekt Berufsverläufe von Altenpflegerinnen und Altenpflegern. Abschlussbericht. 209 In erster Linie sind die Aspekte zu nennen wie Entlohnung, dauerhafte körperliche und psychische Belastung, Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben oder (mangelnde) Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. 210 Vgl. Golombek, Josephine; Fleßa, Steffen (2011): Einflussfaktoren auf die Verweildauer im Beruf und die Standortwahl des Arbeitsplatzes bei Gesundheits- und Krankenpflegern. Eine exemplarische Analyse bei Gesundheits- und Krankenpflegeschülern im zweiten und dritten Ausbildungsjahr in Berlin und im Land Brandenburg. In: Heilberufe Science 2011. Nr. 1.

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