Aufrufe
vor 5 Jahren

Einrichtungsbefragung zur Situation in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg

  • Text
  • Berlin
  • Brandenburg
  • Tabelle
  • Einrichtungsbefragung
  • Gesundheitsfachberufen
  • Einrichtungen
  • Ausbildung
  • Anzahl
  • Arbeit
  • Deutlich

Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg ⎜ 209 Tabelle 127: Übersicht über die Quellen des Fachkräftebedarfs an Ergotherapeut/innen 2013 bis 2030 Berlin Zeiträume Altersbedingter Ersatzbedarf Erweiterungsbedarf Szenario A* Erweiterungsbedarf Szenario B* Fluktuationsbedingter Ersatzbedarf Fachkräfteneubedarf Szenario A* Fachkräfteneubedarf Szenario B* 2013-2020 500 900 200 300 1.000 1.400 2020-2030 1.700 2.900 300 300 2.300 3.500 2013-2030 insgesamt 2.200 3.800 500 600 3.300 4.900 Brandenburg Zeiträume Altersbedingter Ersatzbedarf Erweiterungsbedarf Szenario A* Erweiterungsbedarf Szenario B* Fluktuationsbedingter Ersatzbedarf Fachkräfteneubedarf Szenario A* Fachkräfteneubedarf Szenario B* 2013-2020 200 600 100 200 500 900 2020-2030 1.000 1.800 200 200 1.400 2.200 2013-2030 insgesamt 1.200 2.400 300 400 1.900 3.100 Berlin-Brandenburg Zeiträume Altersbedingter Ersatzbedarf Erweiterungsbedarf Szenario A* Erweiterungsbedarf Szenario B* Fluktuationsbedingter Ersatzbedarf Fachkräfteneubedarf Szenario A* Fachkräfteneubedarf Szenario B* 2013-2020 700 1.500 300 500 1.500 2.300 2020-2030 2.700 4.700 500 500 3.700 5.700 2013-2030 insgesamt 3.400 6.200 800 1.000 5.200 8.000 *Szenario A = Szenario Status quo; Szenario B = Szenario Beschleunigtes Wachstum; Quelle: eigene Berechnungen Diesem Fachkräftebedarf stehen angebotsseitig unter anderem Potenziale aus dem Bestand der Arbeitslosen sowie im Rahmen der Ausbildung zur Verfügung. Der Arbeitslosenbestand ist jedoch zu vernachlässigen, da dessen Potenzial weitgehend ausgeschöpft ist. Legt man die aktuellen Absolventenzahlen aus der fachschulischen Ausbildung zu Grunde (die höher liegen als in den Jahren zuvor), so ist jährlich mit rund 150 neuen Fachkräften (125 in Berlin, 25 in Brandenburg) zu rechnen. Hinzu kommen – eine Verstetigung der primärqualifizierenden Studiengänge vorausgesetzt – in einigen Jahren jährlich ca. 25 Fachkräfte mit Hochschulabschluss. Dementsprechend sind bis 2020 rund 1.250, bis 2030 rund 3.000 neue Fachkräfte durch Ausbildung zu erwarten. Müsste der Fachkräftebedarf nur aus dem Reservoir der Ausbildung geschlossen werden, so wäre eine Lücke von ca. 250 Fachkräften bis 2020 und 2.000 Fachkräften bis 2030 zu konstatieren (Szenario A). Zu bedenken ist hierbei, dass sich die Absolventenzahlen in Berlin und Brandenburg so unterscheiden, dass sich die Bedarfsabdeckung in den beiden Bundesländern unterschiedlich gestalten dürfte. Klar ist angesichts dieser Gegenüberstellung, dass die Ausbildung zwar einen Großteil des künftigen Fachkräftebedarfs abdeckt, jedoch längerfristig durch weitere Maßnahmen flankiert werden muss.

210 ⎜ Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg 4.11.4 Berufsspezifische Handlungsempfehlungen • Im Rahmen der Online-Befragung wurden die Einrichtungen gebeten, zu beantworten, welche Sofortmaßnahmen höchste Priorität besitzen, um die Fachkräftesicherung voranzutreiben. Bei dieser offenen Frage wurde die Verbesserung der Vergütung mit deutlichem Abstand am häufigsten genannt. Die Vergütung in der Ergotherapie ist – wie die Vergütung aller Heilmittelerbringer – gesetzlich an die Entwicklung der Grundlohnsumme gekoppelt (vgl. Kapitel 2.3). In den letzten Jahren lag das relative Wachstum der Grundlohnsumme zumeist unter der Inflationsrate, was Reallohnverluste bei den Heilmittelerbringern zur Folge hatte. Für eine Attraktivitätssteigerung des Berufs wäre daher die (temporäre) Aussetzung der Grundlohnsummenanbindung zu empfehlen, wie es beispielsweise im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung (einschließlich Psychotherapie) im Jahr 2009 oder auch in der vertragszahnärztlichen Versorgung im Jahr 2013 geschehen ist. Eine solche Abkopplung könnte auch ein Baustein zur Ost-West-Angleichung sein. Auch wenn eine entsprechende Bundesratsinitiative des Landes Brandenburg gescheitert ist, bleibt es unakzeptabel, dass sich der Ost-West-Lohnunterschied aufgrund struktureller Rahmenbedingungen in bestimmten Arbeitsmarktsegmenten noch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung weiter zuspitzt. Die Länder sind aufgefordert, den politischen Diskurs über diese Schieflage zu forcieren, um der Segmentierung in einen ost- und einen westdeutschen Arbeitsmarkt entgegenzuwirken. • Der Beschäftigungsaufwuchs der letzten Jahre geht mit einer steigenden Beschäftigungserwartung und gleichzeitig sinkenden Ausbildungszahlen einher. Unter der Voraussetzung, dass die identifizierten Wachstumspotenziale realisiert werden, würde die Ergotherapie auf eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zusteuern, die sich sukzessive vergrößern würde. Um diese Lücke zumindest etwas zu verringern und den Rückgang der Ausbildungszahlen abzumildern, wird empfohlen, in Berlin die Ausbildung zur Ergotherapie flächendeckend kostenfrei anzubieten. In Brandenburg ist dies bereits der Fall, allerdings bietet in Brandenburg auch nur eine Berufsfachschule eine solche Ausbildung an. Klar ist angesichts der sinkenden Ausbildungszahlen aber auch, dass die Frage der Kostenfreiheit nicht die alleinige Entscheidungsgrundlage junger Menschen für oder gegen eine Ausbildung in der Ergotherapie ist. Demgemäß müssen Maßnahmen gefunden werden, die auf eine Attraktivitätssteigerung des Berufes insgesamt hinwirken. Neben den Vergütungsstrukturen sind daher auch fachlich-inhaltliche Aspekte von besonderer Bedeutung. • Ein Weg der Attraktivitätssteigerung könnte in der stärkeren Akademisierung der Ergotherapie liegen. Für eine Akademisierung spricht zum einen, dass aufgrund der zunehmenden Studierneigung der Schulabgänger/innen die Zielgruppe der künftigen Ergotherapeut/innen vergrößert wird. Zum anderen könnte durch die Akademisierung ein mehr auf Augenhöhe basierendes Verhältnis zwischen Ärztinnen, Ärzten und Ergotherapeut/innen geschaffen werden. Ebenso bietet die Akademisierung Möglichkeiten erweiterter und komplexer Versorgungsleistungen. Zu diskutieren wäre bspw. inwieweit mit

Publications in English

Publikationen auf deutsch