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Einrichtungsbefragung zur Situation in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg

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Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg ⎜ 207 Angesichts der Ungewissheiten bzgl. der zukünftigen Entwicklung der Ergotherapie, 192 wird nachfolgend die Basisannahme von fünf Prozent Wachstum in zwei Projektionen variiert. 1. Rückgang der Beschäftigungsentwicklung in der Ergotherapie unter Statusquo- Annahme Aktuell erscheint es eher wahrscheinlich, dass eine Wachstumsrate von fünf Prozent in den nächsten Jahren nicht mehr erreicht wird. So ist bspw. noch nicht absehbar, wann kassenartenübergreifende Grundregelungen für den Präventionsbereich kommen, die Stabilität und Sicherheit in das Wirken der Beschäftigten in der Ergotherapie bringen. Ebenso begrenzt die fortschreitende Ökonomisierung des Gesundheitswesens die Wachstumschancen für den Leistungsmarkt der Ergotherapie. Es ist gegenwärtig auch nicht erkennbar, dass sich die Politik in der nächsten Zeit mit der Verbesserung der Attraktivität der Therapieberufe befassen und wirksame Schritte beschließen wird. Die oben dargestellten Ergebnisse der Online-Befragung von Einrichtungen zeigen zwar eine Wachstumserwartung bei einem Drittel der Einrichtungen aber auch deutliche Zurückhaltung und Skepsis hinsichtlich der weiteren Beschäftigungsentwicklung bei der Mehrzahl der Einrichtungen. Ähnliche Signale wurden in Gesprächen mit Fachexpertinnen und Fachexperten deutlich. In der Projektion unter Status-quo-Annahme wird daher davon ausgegangen, dass bis 2020 das Beschäftigungswachstum in der Ergotherapie von fünf Prozent auf drei Prozent zurückgeht. Zugleich kann angenommen werden, dass in dieser Zeit der Handlungsdruck zur Auflösung einiger Wachstumshemmnisse zunimmt und zu ersten Veränderungen bspw. im Rahmen eines erweiterten Präventionsgesetzes führt. Hier wird unterstellt, dass diese Veränderungen erst im Übergang zu den 2020er Jahren in der Breite zu wirken beginnen und in den darauffolgenden Jahren bis 2030 zusammen mit weiteren, vor allem durch die demografische Entwicklung bedingten Prozessen zu einem erneuten Anstieg des Beschäftigungswachstums auf rd. fünf Prozent führen werden. 2. Deutliches Beschäftigungswachstum unter verbesserten Rahmenbedingungen Entgegen den Anzeichen für ein verlangsamtes Beschäftigungswachstum ist es vorstellbar, dass in nächster Zeit zumindest einige der oben genannten Wachstumshemmnisse beseitigt werden. So ist nicht auszuschließen, dass das vorgesehene Präventionsgesetz noch 2015 beschlossen wird und zu wirken beginnt. Positive Wirkungen können auch von der Pflegereform ausgehen, zumindest dann, wenn sich in deren Zuge die Pflege für andere Versorgungsbereiche öffnet. Es ist außerdem wahrscheinlich, dass das steigende Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung die Bereitschaft, mehr in die eigene Gesundheit zu investieren, den Bedarf an Leistungen der Ergotherapie spürbar erweitert. Bei positiver Gestaltung dieser Entwicklungsbedingungen kann angenommen werden, dass das bisherige Beschäftigungswachstum bei den Ergotherapeut/innen von jährlich fünf Prozent auch in den Jahren bis 2020 erhalten bleibt und in den darauffolgenden Jahren sogar auf sieben Prozent steigt. 192 In den Therapieberufen erscheint sowohl ein hochdynamisches Wachstum, als auch ein starker Bedeutungsverlust innerhalb der gesundheitlichen Versorgung möglich. Da die zukünftige Entwicklung in diesen Berufen im Wesentlichen von politischen Entscheidungen abhängen, lassen sich aktuell kaum Plausibilitätsannahmen treffen.

208 ⎜ Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg Erweiterungsbedarf in beiden Projektionsszenarien Unter Berücksichtigung dieser beiden Szenarien können in der beruflichen Tätigkeit Ergotherapie folgende Entwicklungen des Beschäftigtenbestandes erwartet werden: Tabelle 126: Mögliche Beschäftigungsentwicklungen in der beruflichen Tätigkeit Ergotherapie Bundesland Status-quo-Annahme Szenario beschleunigtes Wachstum 2013 2020 2025 2030 2013 2020 2025 2030 Berlin 2.151 2.600 3.300 4.300 2.151 3.000 4.200 5.900 Brandenburg 1.333 1.600 2.100 2.600 1.333 1.900 2.600 3.700 Berlin-Brandenburg 3.484 4.200 5.400 6.900 3.484 4.900 6.800 9.600 Quelle: eigene Berechnungen Selbst unter Status quo Annahmen ist eine deutliche Steigerung des Beschäftigtenbestandes in der Ergotherapie zu erwarten. Bis zum Jahr 2030 wird sich die Anzahl der Ergotherapeut/innen in Berlin und Brandenburg auf rund 7.000 Erwerbstätige verdoppeln (vgl. Tabelle 126). Bereits im Zeitraum bis 2020 entsteht ein Erweiterungsbedarf von rund 700 Fachkräften. Im darauf folgenden Zeitraum bis 2030 kommt Erweiterungsbedarf in der Größenordnung von weiteren 2.700 Fachkräften hinzu. In der Entwicklungsvariante „beschleunigtes Wachstum“ wird sich der Beschäftigtenbestand in der Ergotherapie in Berlin und Brandenburg bis zum Jahr 2030 fast verdreifachen. Bis 2020 entsteht ein Erweiterungsbedarf von rund 1.500 Fachkräften und bis 2030 von weiteren 5.000 Fachkräften. Ersatzbedarfe für ausscheidende Beschäftigte verstärken die Fachkräftenachfrage Nachfrage nach Fachkräften entsteht auch durch Ersatzbedarf (Renteneintritte und Fluktuation). Aufgrund der jungen Altersstruktur der Beschäftigten in der Ergotherapie fällt der altersbedingte Ersatzbedarf in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit ca. 300 bis 500 Fachkräften überschaubar aus. In den nächsten 15 Jahren gewinnt der Prozess aber an Dynamik, so dass die Kompensation der Rentenabgänge mehr und mehr in den Fokus betrieblicher Personalpolitik rücken dürfte. In Anlehnung an die oben zitierte Untersuchung zu den Gesundheits- und Krankenpfleger/innen wird angenommen, dass rund zehn Prozent der Beschäftigten in der Ergotherapie vorzeitig das Berufsfeld verlassen. Je nach Entwicklung des Beschäftigtenbestandes kann daraus ein fluktuationsbedingter Ersatzbedarf für 700 bis 1.000 Ergotherapeut/innen bis 2030 abgeleitet werden. Hohe Nachfrage nach Fachkräften in der Zeit bis 2030 In der Zusammenführung der hier dargestellten Quellen voraussichtlicher Fachkräftenachfrage geht ein enormer Anstieg des Bedarfs an Ergotherapeut/innen für die Zeit bis 2030 hervor. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass im Zeitraum bis 2030 in Berlin und Brandenburg für die berufliche Tätigkeit in der Ergotherapie ein Neubedarf an Fachkräften in der Größenordnung von insgesamt 5.000 bis 8.000 Beschäftigten entstehen wird (vgl. Tabelle 127).

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