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Einrichtungsbefragung zur Situation in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg

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Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg ⎜ 201 sich bereits jetzt abzeichnende Fachkräfteengpässe in der ergotherapeutischen Versorgung in Brandenburg hin, während die Situation in Berlin vergleichsweise solide ist. Auf die Frage nach der durchschnittlichen Stellenbesetzungsdauer gaben 43 Einrichtungen (40 Prozent) an, dass bei ihnen die Besetzung einer offenen Stelle weniger als eine Woche dauert. Bei den anderen Einrichtungen lag die Spanne zwischen einer und maximal 52 Wochen. Zwischen diesen beiden Polen sind die Antworten breit gestreut, liegen aber fast ausschließlich im Zeitraum von bis zu 26 Wochen. Die Befragungsergebnisse zu den offenen Stellen und der Besetzungsdauer lassen den Schluss zu, dass im Bereich der Ergotherapie die Praxen mit Sitz in Brandenburg größere Schwierigkeiten haben, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Gleichwohl ist im Vergleich zu anderen Berufen bei der Stellenbesetzung in der Ergotherapie noch kein gravierendes Problem feststellbar. Zusätzlicher Fachkräftebedarf aufgrund von Fluktuation Neben rentenbedingten Abgängen aus dem Beruf ist in jedem Berufsfeld ein zusätzlicher Fachkräfteverlust aufgrund von Fluktuation zu beobachten. Zu diesem Aspekt stehen für die Ergotherapie keine Primärdaten zur Verfügung. Die nachstehenden Analysen müssen sich entsprechend auf themenverwandte Analysen stützen. 187 Zum Teil befassen sich die Studien mit der Frage, welche Gründe für eine geringe oder hohe Berufstreue ausschlaggebend sind. 188 Zum Teil beziehen sich die bestehenden Analysen auf Befragungen von Absolvent/innen von Berufsfachschulen hinsichtlich ihrer erwarteten Verweildauer im Beruf. 189 Die vorliegenden Ergebnisse lassen eine geringe Fluktuationsrate in der Ergotherapie plausibel erscheinen. So ist die Berufstreue übergreifend bei examinierten Fachkräften höher als bei Helfertätigkeiten. Ergotherapeut/innen sind wie beschrieben fast ausschließlich dem Anforderungsniveau der komplexen Spezialistentätigkeiten zugeordnet. Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit eines Berufswechsel, je inhaltlich verwandter die Berufe sind. Aufgrund der Spezialisierung im Bereich der Ergotherapie könnte dies als ein Hinweis auf eine vergleichsweise hohe Berufstreue aufgrund geringer Wechselmöglichkeiten gedeutet werden. Für eine höhere Fluktuation spricht hingegen, dass Berufsabbrüche vor allem in den ersten Jahren nach dem Ausbildungsabschluss zu konstatieren sind. Die Ergotherapie ist im Bereich der sv-pflichtigen Beschäftigung ein „junger“ Beruf, was entsprechende Auswirkungen auf die Berufsabbrüche haben könnte. Allerdings könnte dieser für andere Gesundheitsfachberufe geltende Befund für die Ergotherapie nur eingeschränkte Gültigkeit haben, 187 Beispielhaft zu nennen sind: Wiethölter, Doris (2012): Berufstreue in Gesundheitsberufen in Berlin und Brandenburg. Die Bindung der Ausbildungsabsolventen an den Beruf: Ausgewählte Gesundheitsberufe im Vergleich, in: IAB-Regional (3/2012); Joost, Angela, Kipper, Jenny, Tewolde, Tadios (2009): Projekt Berufsverläufe von Altenpflegerinnen und Altenpflegern.“ Abschlussbericht. 188 In erster Linie sind die Aspekte zu nennen wie Entlohnung, dauerhafte körperliche und psychische Belastung, Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben oder (mangelnde) Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. 189 Vgl. Golombek, Josephine; Fleßa, Steffen (2011): Einflussfaktoren auf die Verweildauer im Beruf und die Standortwahl des Arbeitsplatzes bei Gesundheits- und Krankenpflegern. Eine exemplarische Analyse bei Gesundheits- und Krankenpflegeschülern im zweiten und dritten Ausbildungsjahr in Berlin und im Land Brandenburg. In: Heilberufe Science 2011. Nr. 1.

202 ⎜ Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg da die Ausbildung von den Auszubildenden selber finanziert wird und daher eine hohe Motivation besteht, diesen Gesundheitsfachberuf auszuüben. Vor diesem Hintergrund wird angenommen, dass die Fluktuation auf dem Niveau der Gesundheits- und Krankenpfleger/innen liegt. Hierbei ist zwischen der Berufstreue im engen (Verbleib im gleichen Gesundheitsberuf) und der Berufstreue im weiten Verständnis (Verbleib im gleichen Gesundheitsberuf oder ähnlichen Berufen) zu unterscheiden. In Berlin waren 15 Jahre nach Ausbildungsabschluss ca. 17 (eng) bzw. 9 Prozent (weit), in Brandenburg ca. 14 Prozent (eng) bzw. 2 Prozent (weit) aus dem Beruf Gesundheits- und Krankenpfleger/innen ausgeschieden (vgl. Wiethölter 3/2012, S. 23 f.). 4.11.2 Arbeitskräfteangebot Sinkende Arbeitslosenzahlen bei steigendem Fachkräftebedarf Der Bestand an Arbeitslosen verweist auf nicht genutzte Gestaltungsspielräume des Arbeitsmarktes. Für die berufsspezifischen Arbeitslosenzahlen liegen Zeitreihen der Jahresdurchschnitte von 2007 bis 2013 vor. Abgebildet wird der Zielberuf der arbeitslos gemeldeten Personen. Insgesamt kann für die Ergotherapie ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen berichtet werden. Während es sich im Land Brandenburg um einen kontinuierlichen Rückgang handelt, stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen in Berlin zwischen 2008 und 2011 leicht an (vgl. Abbildung 27). Abbildung 27: Bestand an Arbeitslosen – Fachkräfte, Spezialisten, Experten (ohne Helfer) 2007-2013 (Jahresdurchschnitte) – Ergotherapie 160 140 120 124 114 103 103 126 132 140 129 111 100 84 80 60 69 66 61 54 40 20 0 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Berlin Brandenburg Quelle: Bundesagentur für Arbeit, eigene Darstellung Die Mehrzahl der arbeitslos gemeldeten Personen sind Frauen. Als Zielberuf werden fast ausschließlich Tätigkeiten auf der Spezialistenebene angegeben, d. h. die arbeitslosen

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