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Berlin to go, Ausgabe 4.2016

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DISKURS WÄRMEWENDE NACH

DISKURS WÄRMEWENDE NACH BERLINER ART Mit der Klimaneutralität bis 2050 hat Berlin eine ehrgeizige Agenda aufgestellt und Vattenfall läutet die dafür notwendige Wärmewende ein – Ein Besuch im HKW Moabit Bis zum Jahr 2050 soll Berlin klimaneutral sein. Der Titel der Nachhaltigkeitsagenda lautet „Energiewende“. Die entscheidende Voraussetzung für das Erreichen aller dafür notwendigen Meilensteine ist eine komplette Umstellung der Wärmeversorgung. Berlin to go begab sich auf Erkundungstour mit dem Vorstandssprecher der Vattenfall Europe Wärme AG, Gunther Müller. Gunther Müller ist Vorstandssprecher der Vattenfall Europe Wärme AG. Es ist ein längerer Weg durch das historische Heizkraftwerk Moabit, bis man nach schmalen Korridoren und zahlreichen Türen im Herz des alten Gebäudes ankommt. Hier in der Warte flimmern unzählige Bildschirme, auf denen Flussdiagramme, Tabellen und Echtzeitaufnahmen aus dem Kraftwerk zu sehen sind. Der Raum erinnert zu Recht an den Tower eines Flughafens. Die Mitarbeiter, die hier im Dauerschichtbetrieb ihre Acht-Stunden-Dienste absolvieren, sind so etwas wie Wärme- und Stromlotsen und sorgen mit wachem Blick und im Ernstfall mit persönlichem Einsatz dafür, dass dem Netz, das hier aus Moabit bespeist wird, nicht der Druck ausgeht. 116 Jahre hat das Heizkraftwerk Moabit bereits im Rücken, und es setzt seit jeher fortschrittliche Standards. 1923 wurde hier die größte Dampfturbine ihrer Zeit betrieben, 1990 wurde ein neuer Block mit zirkulierender Wirbelschicht-Feuerung Wegbereiter einer umweltfreundlichen Technik, und 2013 wurde mit dem Einsatz von Biomasse erneut ein innovatives Kapitel Kraftwerksgeschichte aufgeschlagen. „Unsere Anlage wurde für die Mitverbrennung von naturbelassener Biomasse, in unserem Fall Holz, umgerüstet“, erläutert Gunther Müller, Chef der Vattenfall Wärme Berlin und Sprecher des Vorstands der Vattenfall Europe Wärme AG. „Perspektivisch können wir bis zu 40 Prozent der Fernwärmeleistung über Biomasse erbringen. Das Besondere ist ihre Herkunft: Das Brennholz stammt nämlich ausschließlich aus einem 150-km-Radius rund um Berlin – aus eigenem Anbau oder von Zulieferern, bei denen wir auf die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards achten.“ Damit ist Vattenfall in Berlin eine Art Öko-Selbstverpflichtung für Biomasse eingegangen. Für ein Heizkraftwerk vermutlich eine Weltneuheit. Noch ist der Hauptbrennstoff im Moabiter Kraftwerk zwar Steinkohle, doch die angestrebte Wärmewende wird auch das verändern. Energieexperte Müller schaut voraus: „Wir werden die CO2- Ziele des Landes Berlin für den Wärmesektor umsetzen.“ Bis zum Zieljahr 2050 sollen 85 Prozent der CO2-Emissionen vermieden werden. Bereits 2020 ist eine Reduzierung um 50 Prozent anvisiert, die Müller für sein Unternehmen zusagen kann. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Wärmewende ist die Ablösung von Kohle durch Gas bis 2030. Für die Umrüstung der Standorte Moabit und Reuter West strengt Vattenfall gerade eine Machbarkeitsstudie an, um die Parameter für eine erfolgreiche Umsetzung festzulegen. Im Heizkraftwerk Klingenberg ist der Ausstieg bereits auf den 24. Mai 2017 terminiert. Vorstandssprecher Müller arbeitet mit seinem Team unter Hochdruck an der Umstellung der Anlage auf Gas. 600.000 Tonnen CO2-Emission können dadurch jährlich eingespart werden. Gleichzeitig ist in Marzahn eine Gas- und Dampfturbinenanlage geplant, die Anfang nächsten Jahres aufgebaut werden soll. Im Zusammenspiel werden diese beiden Standorte künftig die umweltgerechte Wärmeversorgung von mehr als 300.000 Haushalten im Berliner Osten garantieren. Die Wärmewarte ist rund um die Uhr im Mehrschichtbetrieb besetzt. Zugleich steht ein weiterer großer Schritt an: In Spandau wird bis 2020 ein Steinkohle-Block durch eine Power-to- Heat-Anlage ersetzt. „Mit Power-to-Heat wandeln wir Alle Fotos: Vattenfall 12 BERLIN TO GO

DISKURS überschüssigen Strom aus regenerativer Energie in Wärme um. Sie müssen sich eine solche Anlage wie einen riesigen Tauchsieder vorstellen“, erklärt Müller. Am Standort Reuter West ist eine Power-to-Heat-Anlage mit einem Leistungsvolumen von 100 Megawatt geplant. 30.000 Haushalte können durch sie im Winter mit Fernwärme versorgt werden. „Bis 2030 streben wir eine Power-to-Heat-Versorgung von Berlin in einer Größenordnung von 300 Megawatt an“, so Müller. Vorreiter für die neue Technologie sind seit rund einem Jahr das Fernheizwerk Neukölln und seit diesem Sommer das Heizkraftwerk Buch. An beiden Standorten wird die Power-to-Heat-Technologie zur nachhaltigen Kraftkomponente. „Der Energiegewinnungsmix ist ein entscheidender Erfolgsfaktor der Wärmewende. Über Biomasseerzeugung, Windenergie als Power-to-Heat, Wärmespeicher und Kraft-Wärme-Kopplung realisieren wir eine nachhaltige Strom- und Wärmeerzeugung, deren ökologische Standards sich obendrein punktgenau nachweisen lassen“, freut sich Energieexperte Müller. Man ahnt dabei: Die mit der Wärmewende verbundenen Investitionen sind beträchtlich. Im Zeitraum von 2009, als die Klimaschutzvereinbarung getroffen wurde, bis 2020 wird Vattenfall in Berlin rund 1 Mrd. Euro investiert haben. „Die Energiewende für Berlin zu erreichen, ist ein komplexer Prozess, der maximal vom Engagement aller Beteiligten abhängt – das betrifft sowohl die notwendigen Aufwendungen als auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit“, gibt Müller dabei zu bedenken. Vattenfall hat sich beispielsweise auf dem EUREF-Campus in einem Lab mit BVG, BSR, GASAG und den Berliner Wasserwerken zusammengeschlossen, um die Leitlinien einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu erarbeiten. Auch der persönliche Austausch mit den Stakeholdern kommt nicht zu kurz. Mit Blick auf die Wärmewende ist der konstante Dialog mit lokalen Partnern wie z. B. dem Unternehmensnetzwerk Moabit unentbehrlich, um die Interessen der Menschen vor Ort mit den eigenen Zielen in Einklang zu bringen. Wärmewende, so betont Gunther Müller, sei ein Quartiersthema, weil die Versorgungsstruktur in Berlin historisch bedingt auf die Stadtteile zugeschnitten ist. Berlin als ehemals geteilte Stadt verwaltet heute das Erbe stark lokal zentrierter Versorgungsnetze. Doch das ist nicht das einzig Besondere am Berliner Klimaziel. „Der breite Konsens, den wir in der Hauptstadt über die Partei- und Unternehmensgrenzen hinweg erleben, ist aus meiner Sicht einzigartig. Es herrscht ein genereller Einklang beim Energie- und Klimaschutzprogramm Berlins. Die gemeinsame Marschroute wird von allen Beteiligten kontinuierlich mitgestaltet“, lobt Müller. „Uns motiviert das ungemein bei allen Maßnahmen, die wir für die Wärmewende in Angriff nehmen.“ Und der Kunde – was kommt bei ihm von der Wärmewende an? „Bei allen Aufgaben auf operativer Ebene wird es am Ende die Herausforderung sein, unsere Kunden von unseren Produkten zu überzeugen.“ Von der großen Wohnungsbaugesellschaft über den internationalen Industriekonzern oder den nachhaltig arbeitenden Mittelständler bis zum preisbewussten Endverbraucher reicht das Spektrum der Vattenfall-Kunden. Für jeden von ihnen muss die Wärmewende erreichen, wofür jetzt die Weichen gestellt werden: klimaneutrale, leistungsstarke und wettbewerbsfähige Strom- und Wärmeversorgung „made in Berlin“. Die Energiearterien der Stadt pulsieren im Takt des Fortschritts. 116 Jahre Betriebsalter im HKW Moabit sind ein gutes Zeichen dafür, dass die Fähigkeit zur konstanten Veränderung zukunftsfähig gemacht hat. ih Seit mehr als 100 Jahren ein Vorreiter für innovative Technologien: das historische Heizkraftwerk Moabit. BERLIN TO GO 13

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