Aufrufe
vor 4 Jahren

Berlin to go - Ausgabe 2.2015

  • Text
  • Berlin
  • Berliner
  • Unternehmen
  • Wirtschaft
  • Veranstaltungen
  • Thema
  • Kultur
  • Termine
  • Verkehr
  • Haus
Das Magazin von Berlin Partner. Aktueller Schwerpunkt: Gesundheitswirtschaft

DISKURS DIE ZUKUNFT DER

DISKURS DIE ZUKUNFT DER MEDIZIN Im Gespräch mit Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitäts medizin Berlin, über künftige Herausforderungen der Gesundheitswirtschaft Als Europas größte Universitätsmedizin mit über 100 Kliniken an vier Standorten in der Hauptstadt genießt die Charité einen internationalen Spitzenruf in Forschung, klinischer Entwicklung, Ausbildung und Praxis. Prof. Dr. Karl Max Einhäupl sprach im Interview mit Berlin to go über die Aufgaben der modernen Medizin, die Standortvorteile in der Hauptstadtregion und aktuelle Fragestellungen der Gesundheitswirtschaft. Welche Themen prägen die Zukunft der Medizin? Prof. Dr. Karl Max Einhäupl (KME): Wenn wir über die Zukunft der Medizin sprechen, besteht ein großes Thema darin, dass die medizinischen Möglichkeiten immer rasanter wachsen, während ihre Finanzierbarkeit hinterherhinkt. Wir müssen uns deshalb Gedanken machen, wie wir mit einer Entsolidarisierung des Gesundheitssystems umgehen können. Die große Allgemeinheit wird künftig nicht mehr alle Leistungen finanzieren können. Das betrifft insbesondere die personalisierte Medizin – das zweite große Zukunftsthema. Denn eine wesentliche Grundlage der personalisierten Medizin sind neue diagnostische Maßnahmen in Form der molekularen Subdifferenzierung von Krankheiten. Sie gibt uns die Möglichkeit, therapeutisch gezielt auf die Individualität der Erkrankung und die Individualität des Patienten eingehen zu können. Das bedeutet aber auch, dass wir aus Volkskrankheiten mehr und mehr seltene Krankheiten machen. Das wiederum stellt uns in Sachen Finanzierbarkeit vor neue Herausforderungen. In diesem Kontext wird es – Thema Nummer drei – sektorübergreifende Versorgungsansätze geben müssen. Von der Charité gehen maßgebliche Impulse in die nationale und internationale Gesundheitswirtschaft aus. Wie beeinflusst die Charité die Zukunft der Medizin? KME: Die Zukunft der Medizin wird zunächst von Forschungsergebnissen abhängen. Die Charité versteht sich in erster Linie als Institution, die Innovation in der Forschung betreibt. Unser Unternehmensziel ist, in drei Themen Weltführer und in weiteren fünf bis acht Themen in der internationalen Spitzengruppe zu sein. Unser Selbstverständnis als Innovationstreiber gilt übrigens auch für die medizinische Lehre. Wir haben deshalb 2010 den Modellstudiengang Medizin eingeführt, der erstmals grundlagenwissenschaftliche und klinische Kenntnisse von Anfang an verzahnt. Um die Zukunft der Medizin richtig zu beeinflussen, stellen wir uns aber auch die Frage: Was wünscht sich der Patient? Darauf gibt es drei Antworten. Erstens: Innovationen sollen schneller ans Foto: Silz – Charité Berlin 12 BERLIN TO GO

DISKURS Porträt: Charité Berlin Krankenbett gelangen. Zweitens: Medizin soll finanzierbar bleiben. Und drittens: Die Menschen wollen eine gerechte Verteilung der Gesundheitsgüter. Die Charité beteiligt sich vor diesem Hintergrund an zahlreichen politischen und öffentlichen Dialogen, um die Fortentwicklung des Gesundheitssystems voranzutreiben – der World Health Summit ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Der 7. World Health Summit wird vom 11. bis 13. Oktober in Berlin stattfinden. Dieser hochkarätig besetzte Expertengipfel wurde von der Charité initiiert. Welche Themen adressieren Sie auf dem diesjährigen Summit? KME: Der World Health Summit bringt jedes Jahr rund 1.300 international renommierte Vordenker aus Forschung, Politik und Industrie an einen Tisch. Wir greifen mit Ebola in diesem Jahr erneut ein wichtiges Thema wieder auf, widmen uns aber auch Fragen des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Wir befassen uns mit der Gesundheit von Flüchtlingen und Menschen, die großen Naturkatastrophen oder Konflikten zum Opfer gefallen sind, und wir richten den Blick auf Zukunftsthemen wie gesundes Altern und die digitale Gesundheitsrevolution. Die Themen Datenwirtschaft und Digitalisierung beherrschen zunehmend die Aufgabenfelder von Klinikverantwortlichen. Wie sieht das für die Charité mit ihren über 100 Kliniken, gebündelt in 17 CharitéCentren an vier Standorten, aus? KME: Die Digitalisierung ist ein so dringendes Thema wie wenig andere. Zum einen, weil wir unter dem Gesichtspunkt der Qualitätssicherung in der Krankenversorgung von der Papierform wegkommen müssen. Und zum anderen, weil wir mit riesigen Datenmengen umgehen, speziell, wenn wir über personalisierte Medizin sprechen. Wir müssen uns also gezielt auf das Thema Big Data vorbereiten. Die Verquickung von IT und Gesundheit stellt eine echte Chance dar – insbesondere am Standort Berlin, der als IT-Hauptstadt dafür exzellente Möglichkeiten bietet – deshalb setzen wir hier bewusst einen Schwerpunkt. Das beinhaltet auch, dass wir gute Datenschutzmechanismen benötigen. Zwar wird es absolute Datensicherheit nicht geben können, aber wir dürfen nicht durch übertriebenen Datenschutz Entwicklungen verhindern, die dazu beitragen, dass die Gesundheitsversorgung in Berlin und Deutschland besser wird. Wenn wir von Synergien sprechen: Wie verzahnt die Charité ihr Forschungs- und Praxiswissen mit innovativen Entwicklungsansätzen aus der Industrie? KME: Die Charité hat 2008 mit ihrem neuen Vorstand als eines ihrer Unternehmensziele definiert, Industriepartner Nummer eins zu werden. Selbstverständlich geht es dabei nicht nur um Partnerschaften mit namhaften Unternehmen aus Pharmazie und Medizintechnik. Berlin als Hauptstadt der Startups bietet sich geradezu an, auch mit kleinen Firmen zu arbeiten. Da wir oft innovative Projekte Prof. Dr. Karl Max Einhäupl im Interview mit Berlin to go. nicht allein finanzieren können, ist es uns besonders wichtig, ein leistungsstarker Entwicklungspartner zu sein. Sprechen wir von Berlin als Gesundheitsstandort. Welche Chance bietet das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) aus Ihrer Sicht für die Entwicklung des Standorts, und was bewegt Sie dort? KME: Zunächst ist es eine große Auszeichnung, dass die Bundesregierung Berlin als Vorreiter für die Kooperation zwischen einer universitären und einer extrauniversitären Einrichtung, nämlich der Charité und dem Max-Delbrück- Centrum für molekulare Medizin, ausgewählt hat. Beide Einrichtungen sind in ihrer Art internationale Spitzeninstitutionen, die hier am Standort in einzigartiger Weise synergetisch tätig sein können. In unserem Zusammenschluss geht es darum, einen gemeinsamen Mehrwert zu schaffen und die Rahmenbedingungen für gelungene Translation zu verbessern. Das heißt, Forschung für den Patienten nutzbar zu machen. Unsere Leitfragen lauten: Wie kann Forschung effektiver gestaltet werden, wie können wir Ergebnisse besser validieren? Warum haben wir zunehmend weniger junge Wissenschaftler, und wie funktioniert die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie? Auch das Thema Technologietransfer müssen wir effektiver gestalten. Ein großer Themenkomplex, dem sich das BIG künftig widmen muss, ist die öffentliche Gesundheit. Deutschland steht hier noch am Anfang. In Berlin gibt es mit dem Cluster Gesundheitswirtschaft wunderbare Voraussetzungen, die wir nutzen sollten, um gemeinsam Probleme zu definieren und diese auch gemeinsam zu lösen. Vielleicht gelingt es der Hauptstadt auf diese Weise, ein europäischer Public Health Hub zu werden. Vielen Dank für das Gespräch. Interview Ines Hein BERLIN TO GO 13

Publications in English

Publikationen auf deutsch

Clusterreport Verkehr, Mobilität und Logistik
Schienenverkehrstechnik
Verkehrstelematik
Logistik
Automotive in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg
Aerospace Industrie
Biotech- und Pharmaindustrie
Forschung für die Gesundheit
Gesundheitsversorgung und Prävention
Potenzialstudie Medizintourismus Berlin-Brandenburg_2015
Clusterbroschuere Gesundheitswirtschaft
Prävention und Gesundheitsförderung
Rehabilitation in Berlin und Brandenburg
Games Industrie in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg
Digitale Wirtschaft in Berlin
Fernsehen in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg
Fashion in Berlin
Best Practice Wireless in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg
Medien und Kreativwirtschaft in Berlin-Brandenburg
Turbomaschinen und Kraftwerkstechnik
Energienetze und -speicher in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg
Kreislaufwirtschaft in Berlin
Wasserwirtschaft in Berlin
Energietechnik in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg
Inkubationsprogramme in der Energiewirtschaft
Service Packages für Unternehmen in Berlin
Unternehmensservice in den Berliner Bezirken
Berlin Partner: Unser Service fuer Sie