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Potenzialstudie Medizintourismus Berlin-Brandenburg_2015

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Abschätzungen für die bisherige und zukünftige Entwicklung des Gesundheitstourismus in Berlin-Brandenburg

1.

1. Berlin als Medizintourismusdestination 1.1. Ausgangssituation Jedes Jahr entscheiden sich weltweit Millionen von Menschen für eine Behandlung in ausländischen Kliniken, da beispielsweise die medizinische Versorgung im Heimatland nicht gewährleistet bzw. mangelhaft ist, der Spezialist im Nachbarland näher liegt als im eigenen Land oder die Behandlung im Ausland deutlich preiswerter ist als zu Hause. Seit Jahren zählt Deutschland sowohl nach Anzahl der behandelten Auslandspatienten als auch nach Behandlungsqualität und Service zu einer der führenden Medizintourismusdestinationen weltweit. 1 Eine hervorragende medizinische Versorgung zu vergleichsweise niedrigen Behandlungskosten findet sich flächendeckend so nirgendwo auf der Welt. Daher ließen sich 2013 rund 241.000 Patienten aus dem Ausland stationär oder ambulant in Deutschland behandeln 2 und bescherten dem deutschen Gesundheitssystem Einnahmen von fast 1,2 Mrd. Euro. Gemessen an den 19 Millionen stationären Krankenhauspatienten oder den 78 Mrd. Euro an Krankenhausausgaben pro Jahr mag der Anteil des Medizintourismus vergleichsweise gering erscheinen, die „Exporteinnahmen“ für medizinische Dienstleistungen werden jedoch durch die Ausgaben von Patienten und deren Begleitung für Transporte, Übernachtungen, Einkäufe etc. ergänzt, so dass das volkswirtschaftlich relevante Gesamtvolumen bei schätzungsweise drei Milliarden Euro liegen dürfte. Ein jährlich stabiler Zuwachs von sechs bis zehn Prozent bestätigt die positive Entwicklung des Geschäftsfeldes „Medizintourismus aus dem Ausland“. Medizintourismus gilt dabei als „ein Subbereich des Gesundheitstourismus und bezeichnet die vorübergehende Ortsveränderung an einen Aufenthaltsort im In- oder Ausland, der kein dauerhafter Wohnort ist, zum Zweck einer geplanten medizinischen Behandlung (primäres Reisemotiv), welche kurativ, präventiv oder kosmetisch-operativ orientiert sein kann. In Anspruch genommene Leistungen werden vom Patienten selbst oder durch Kostenträger bezahlt. Synonyme sind Patiententourismus, Kliniktourismus, Operationstourismus, Kurtourismus.“ 3 Nicht geplante Behandlungen von Touristen, durch Unfälle oder Erkrankungen während des Aufenthaltes in Deutschland, etwa 55 Prozent aller Fälle, zählen nach dieser Definition nicht zum „geplanten“ Medizintourismus, tragen aber einen nicht unerheblichen Anteil zum finanziellen Gesamtvolumen bei. Für die Kliniken sind die internationalen Patienten nicht nur aufgrund der zusätzlichen Einnahmen interessant. Die Auslandspatienten helfen auch, wie zum Beispiel in Rehabilitationseinrichtungen, freie Kapazitäten auszulasten oder erhöhen die Fallzahlen bei Forschungsvorhaben an Patienten mit seltenen Erkrankungen. Für Städte mit einer hohen Klinikdichte (darunter viele Maximalversorger und Forschungseinrichtungen), wie Berlin, München oder Köln/Bonn, sind Patienten aus dem Ausland auch 1vgl. International Medical Travel Journal/Intuition Communications 2014, S. 7f. 2 45 Prozent davon geplant (entspricht 108.450 Patienten) 3Juszczak 2013, S. 151 6

aus diesen Gründen von Bedeutung. Hinzu kommen touristische Effekte wie Übernachtungen oder Konsum. Im ländlichen Raum sind die medizinischen Ressourcen unter Umständen deutlich stärker ausgelastet, so dass Auslandspatienten seltener mit dem Motiv der Kapazitätsauslastung eingeworben werden. Berlin ist nicht nur die Hauptstadt der Bundesrepublik, sondern bezeichnet sich auch als „Health Capital“. Demzufolge müsste die Stadt sowohl bei den Übernachtungen von ausländischen Gästen als auch bei der Anzahl internationaler Patienten führend sein. Bei den internationalen Übernachtungen lag Berlin 2014 mit 12,5 Millionen deutlich vor München mit 6,6 Millionen Gästen. 4 Bei den stationären Auslandspatienten weist dagegen München mit knapp 10.000 Patienten in 2013 einen deutlichen Vorsprung vor Berlin mit 6.700 Patienten auf. 5 Wenn die touristische und medizinische Infrastruktur der bayerischen Landeshauptstadt nicht deutlich attraktiver für internationale Patienten im Vergleich zu Berlin sind, könnten die Gründe z.B. in der Tradition als Medizintourismusdestination, der touristischen Anbindung oder der Standortvermarktung als Medizintourismusdestination liegen. Während in Berlin über Botschaften, Konsulate und Auslandsvertretungen von Verbänden und Unternehmen per se viele Medizintouristen behandelt werden und sich die Vermarktungsleistung der Stadt primär auf seine Tourismusorganisation konzentriert, vermarktet sich München mit Unterstützung verschiedener Landeseinrichtungen und Vereinen auf vielen Kanälen. 6 1.2. Zielstellung und Vorgehensweise Diese Studie soll die Potenziale der Hauptstadt als Medizintourismusstandort feststellen und Alleinstellungsmerkmale der Region sowie die unterschiedlichen Segmente (Akteure, Zielmärkte, Strategien) des Medizintourismus herausarbeiten. Des Weiteren soll sie aufzeigen, welche Ansätze für eine bessere Vermarktung von medizintouristischen Angeboten in der Hauptstadtregion existieren. Folgende Schwerpunkte sollen in der Analyse erbracht werden: • Erstellung einer Strukturübersicht über medizintouristische Akteure in den relevanten Angebotsfeldern • Erarbeitung der Struktur eines Leistungskataloges mit den wichtigsten Anbieterinformationen für internationale Patienten • Darstellung eines Dienstleistungsnetzes im Medizintourismus mit den wichtigsten Kooperationsprozessen, Schnittstellen und Schnittstellenproblemen • Quellmarktanalyse analog der Rahmenbedingungen mit Darstellung von Marktpotenzialen und -volumina 4 vgl. Statistische Landesämter 2015 5 vgl. Statistische Landesämter 2015 6vgl. Kap. 4.4.3 dieser Studie 7

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