Aufrufe
vor 5 Jahren

Potenzialstudie Medizintourismus Berlin-Brandenburg_2015

  • Text
  • Patienten
  • Berlin
  • Kliniken
  • Medizinischen
  • Behandlung
  • Ausland
  • Internationale
  • Internationalen
  • Deutschland
  • Medizinische
Abschätzungen für die bisherige und zukünftige Entwicklung des Gesundheitstourismus in Berlin-Brandenburg

Anhand Abb. 11 ist zu

Anhand Abb. 11 ist zu erkennen, dass es eine Reihe von Millionenstädten gibt, die für eine weitere Markterschließung geeignet wären. Besonders die Erdölregion um Kasan sowie das Zentrum der russischen Schwerindustrie Novosibirsk weisen Potenzial auf. Aufgrund des Russland-Ukraine-Konfliktes ist zu erwarten, dass temporär weniger Patienten nach Westeuropa und damit auch nach Deutschland reisen. Dies hat sowohl finanzielle als auch politische Ursachen. Zum einen verteuert die Entwicklung des Wechselkurses die Behandlung. Abgemildert wird dies allerdings durch den günstigen Euro und die zeitweilige Kurserholung des Rubels (vgl. Abb. 12). Zum anderen haben aufgrund der verhängten Wirtschaftssanktionen viele Russen derzeit ein eher negatives Meinungsbild über die EU, so dass bei Medizinreisen aktuell Israel oder die Türkei bevorzugt werden. Abb. 12: Kursentwicklung des Rubels im Vergleich zum US-Dollar http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article139352979/Die-triumphale-Rueckkehr-des-Rubel.html 4.1.5. Ukraine und Kasachstan In den vergangenen Jahren haben sich die Patientenzahlen aus der Ukraine und Kasachstan vervielfacht (vgl. Abb. 13). In beiden Ländern wachsen die Medizinreisen ins Ausland im Jahr zwischen 15 und 20 Prozent. Die häufigsten Erkrankungen sind, ähnlich wie in Russland, Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Tumorerkrankungen. Rund zwei Prozent der Bevölkerung ist, wahrscheinlich mehrheitlich infolge der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, an Krebs erkrankt. In der Ukraine nehmen Krankheiten der Atmungsorgane allerdings eine führende Rolle ein, insbesondere was Tuberkulose betrifft. Mit schätzungsweise 450.000 Tbc-Fällen ist das Land führend in Europa. Dies gilt laut UNAIDS auch für HIV-Neuinfektionen. Zwischen 400.000 und 500.000 der über 45,5 Millionen Ukrainer sind HIV- 38

infiziert. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation sind 1,6 Prozent der Ukrainer davon betroffen, zum Vergleich in Deutschland etwa 0,1 Prozent. 29 Bei der Behandlung von ukrainischen Patienten in deutschen Kliniken ist deshalb ein Test auf diese Infektionskrankheiten angeraten. Abb. 13: Entwicklung der Patientenzahlen ausgewählter GUS-Länder Quelle: Eigene Darstellung, Daten aus Statistisches Bundesamt Das ukrainische Gesundheitswesen ist seitens der öffentlichen Haushalte chronisch unterfinanziert. Viele medizinische Einrichtungen befinden sich in einem schlechten technischen Zustand. Neu gebaute und modern ausgestattete Privatkliniken, wie das von israelischen Investoren in der Nähe von Kiew errichtete onkologische Zentrum LISOD, sind rar und eine Behandlung ist dort für viele Ukrainer unerschwinglich. Derzeit existiert noch keine gesetzliche Krankenversicherung und private Krankenversicherungen werden nur wenig nachgefragt, da diese oft nur Basisleistungen abdecken. Ein Zugang zu medizinischen Versorgung ist daher vor allem von den finanziellen Möglichkeiten abhängig. Zahlungen aus der eigenen Tasche für Waren und Dienstleistungen während der Behandlung gelten als üblich. „Dabei kann es sich um formale Gebühren handeln, die von Regierungen oder Krankenhäusern entsprechend einer festgelegten Gebührenliste oder des ermittelten Marktwertes erhoben werden, oder es kann sich um informelle Zahlungen handeln, die vom medizinischen Personal oder den medizinischen Einrichtungen für Waren und Dienstleistungen erhoben werden“. 30 Da die Arzthonorare wie in den meisten GUS-Staaten offiziell nur zwischen 350 und 600 EUR liegen, machen “Bar-Honorare” einen nennenswerten Anteil am monatlichen Verdienst aus. Zudem fehlen dem Land bereits jetzt rund 30.000 Ärzte. Der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal betrifft vor allem die Bereiche Innere Medizin, Chirurgie, Traumatologie, Pädiatrie und Urologie. 29http://www.welt.de/gesundheit/article13606427/Odessa-gilt-als-Aids-Hauptstadt-Europas.html 30ForschungsstelleOsteuropa an der Universität Bremen (Hrsg.) 2012 39

Publications in English

Publikationen auf deutsch