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Potenzialstudie Medizintourismus Berlin-Brandenburg_2015

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Abschätzungen für die bisherige und zukünftige Entwicklung des Gesundheitstourismus in Berlin-Brandenburg

Die Gründe, warum sich

Die Gründe, warum sich russische Patienten im Ausland behandeln lassen, sind sehr vielfältig. Russland verfügt zwar in den Großstädten über eine ähnliche Grundversorgung wie in Deutschland, allerdings sind Behandlungsmöglichkeiten und -qualität deutlich eingeschränkt. Gerade Spezial-kliniken für schwere Erkrankungen des Nervensystems oder Krebs fehlen oft bzw. sind nicht modern ausgestattet. Große Defizite in der medizinischen Versorgung existieren in der Peripherie. Oft ist das nächste Fachmedizinzentrum in den östlichen Provinzen hunderte Kilometer entfernt. Anders als in den Golfstaaten gibt es kaum Investition in die medizinische Infrastruktur. Im Gegenteil, es werden staatliche Krankenhäuser im Zuge von Effektivitätssteigerungen geschlossen und auch der Rückzug des Staates aus der Finanzierung des Gesundheitswesens dürfte nicht zu einer Verbesserung der Versorgungsleistungen beitragen. Die diese Differenz ausgleichenden Gelder der Pflichtkrankenversicherung dürften bestenfalls für eine Grundversorgung reichen, die wahrscheinlich noch weniger abdeckt als die bisherigen Leistungen. Eine fehlende Finanzierung bei Forschung und Ausbildung und die vergleichsweise schlechte Bezahlung des medizinischen Personals werden zu weiteren Abwanderungen von Ärzten und Pflegekräften ins Ausland führen. Insgesamt herrscht eine zunehmende monetäre Orientierung der Medizin vor. Russische Patienten müssen oft finanzielle Beiträge leisten, insbesondere für Ärzte oder nicht in Russland hergestellte Medikamente. Die verhältnismäßig hohe Eigenbeteiligung der russischen Patienten macht eine Behandlung im Ausland attraktiv. Neben dem Glauben an bessere Behandlungsergebnisse in Deutschland spielt auch die Behandlung im Ausland selbst als Statussymbol eine wichtige Rolle, denn insbesondere die wachsende Mittelschicht in Russland zeigt so ihren gesellschaftlichen Erfolg. Russische Patienten fragen vor allem onkologische Behandlungen nach. Bösartige Neubildungen des Dickdarms, des Magens und der Prostata stehen dabei im Mittelpunkt. Des Weiteren werden die Fachbereiche Kardiologie, Endokrinologie, Orthopädie, Urologie und Frauenheilkunde nachgefragt. Die meisten medizinischen Visa wurden für den Großraum Moskau erteilt (vgl. Abb. 10). Zweit-wichtigste Herkunftsregion ist Sankt Petersburg. Entsprechende Einreisevisa werden allerdings meist über die finnische Botschaft erteilt. 36

Abb. 10: Anzahl der erteilten medizinischen Visa für russische Patienten Quelle: Eigene Darstellung, Daten des Auswärtigen Amtes 2013 Abb. 11: Städte mit 1 Mio. und mehr Einwohnern (einschl. Umland) Quelle: Eigene Darstellung 37

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