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Leichtbau in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg

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Branchenstruktur- und Standortanalyse für den Bereich Leichtbau in Berlin und Brandenburg

Potenzialanalyse

Potenzialanalyse Leichtbau Prozessketten in der Luft- und Raumfahrt zur Verfügung [FZJ 2019a]. Baden-Württemberg: Baden-Württemberg ist laut einer Studie des Fraunhofer IPA „eine der industriestärksten und innovativsten Regionen in Deutschland und in Europa“ [LBW 2014], mit einem starken Fokus auf die Bereiche der Automobilindustrie (mit international agierenden OEMs vor Ort) und des Maschinenbaus mit großen Branchenschwergewichten. Weiterhin konstatiert die Studie des Fraunhofer IPA, dass „die Leichtbau-stärke Baden-Württembergs überdurchschnittlich auf den Aktivitäten von Großunternehmen beruht“ [LBW 2014]. Eine Schwerpunktbildung ist im Bereich des metallischen Leichtbaus und des hybriden Leichtbaus zu erkennen. Der Anteil der Forschungsund Entwicklungsaktivitäten im Leichtbau ist in Baden-Württemberg hoch: So entfallen 24 % aller angemeldeten Leichtbau-Patente auf Anmeldende aus Baden-Württemberg. Mit ca. 300 Forschungseinrichtungen mit Leichtbaubezug weist Baden-Württemberg eine hohe Dichte an Institutionen auf und ist damit einer der führenden Standorte in der Forschung in diesem Bereich. Die Leichtbau BW ist ein 100 %-iges Landesunternehmen und nach eigenen Angaben „das vermutlich größte Leichtbaunetzwerk der Welt, zu dem über 2.200 Unternehmen und 300 Forschungseinrichtungen gehören“ [LBW 2021b]. Als Landesagentur für Leichtbau arbeitet Leichtbau BW mit den bereits bestehenden Strukturen in Baden-Württemberg eng zusammen. Im Jahr 2014 hatte die baden-württembergische Landesregierung zusammen mit Unternehmen rund fünfeinhalb Millionen Euro in die Forschung für den hybriden Leichtbau investiert. Damit wurden insgesamt fünf Verbundprojekte gefördert, unter anderem unter der Beteiligung von bis zu 9 Unternehmen pro Verbundprojekt [MAV 2017]. Hervorzuheben ist darüber hinaus die Leichtbau Innovation Challenge [UMB 2019] als leichtbau-spezifisches Förderprogramm: Dieses innovative Format zeichnet sich durch eine schnelle Mittelvergabe aus (binnen zwei Monaten). Das Fördermodul zielt auf explorative Innovationsvorhaben baden-württembergischer Unternehmen ab. Die dafür notwendige vorwettbewerbliche Forschung der Vorhaben kann an Hochschulinstituten staatlich gefördert werden. Nordrhein-Westfalen: Am Wirtschaftsstandort NRW, dem Land der Materialien und Werkstoffe, sind nach eigenen Angaben die bundesweit größten Wertschöpfungsketten in den Bereichen Stahl-, Aluminium-, Chemie-, Kunststoffindustrie und Anlagenbau vertreten. 40 % der deutschen Stahlproduktion ist „made in NRW“, drei der vier Primäraluminiumhütten Deutschlands haben ihren Standort in NRW und produzieren über 75 % der gesamtdeutschen Hüttenproduktion. Mit rund 34 Mrd. Umsatz stellt NRW rund ein Fünftel des Gesamtumsatzes der deutschen Kunststoffindustrie [NMWP 2020]. Im Zuge der Elektromobilität will sich NRW als eines der führenden Bundesländer für den Multimaterialleichtbau etablieren. Anhand der Patentierungsaktivitäten lässt sich NRW als starker Standort für Forschung und Entwicklung im Bereich Leichtbau ausmachen: 17 % aller angemeldeten Leichtbaupatente entfallen auf Anmelder aus NRW. NRW hat sich darüber hinaus erfolgreich als Standort für neue Werkstoffe etabliert: Mehr als 22 Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen befassen sich mit diesem Thema, darunter ca. 120 spezialisierte Lehrstühle in der Werkstoffforschung [NRW 2017]. Der Landescluster NanoMikroWerkstoffePhotonik.NRW mit Sitz in Düsseldorf entstand 2009 im Rahmen 27

Potenzialanalyse Leichtbau der Exzellenzinitiative der nordrhein-westfälischen Landesregierung zur Stärkung der Position NRWs in den Bereichen Nanotechnologie, Mikrotechnologie, neue Werkstoffe und optische Technologien [NMWP 2020]. Der Verein NMWP e. V. wurde im April 2012 gegründet und als gemeinnützig anerkannt. Er fördert aktiv die Entwicklung neuer Ideen, Projekte und Partnerschaften. Weiterhin gibt es Querverbindungen zu anderen Netzwerken mit Bezug zur Querschnittstechnologie Leichtbau wie beispielsweise Kunststoffland NRW e.V. Von besonderer Bedeutung für den Leichtbau sind u. a. die NRW Leitmarktwettbewerbe der Landesregierung, welche integraler Bestandteil des Operationellen Programms NRW 2014 – 2020 für den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“ (OP EFRE NRW) sind [FZJ 2019a]. Kern der Leitmarktstrategie sind acht Leitmarktwettbewerbe: Maschinen- und Anlagenbau, Neue Werkstoffe, Mobilität und Logistik, Informations- und Kommunikationswirtschaft, Energie- und Umweltwirtschaft, Medien und Kreativwirtschaft, Gesundheit und Life Sciences. In der Förderphase von 2014 bis 2020 stellt Brüssel für jeden Leitmarkt 40 Millionen Euro zur Verfügung. Das Land gibt jeweils 20 Millionen Euro dazu. Sachsen: Die wichtigste Industriebranche in Sachsen ist der Automobilbau, gefolgt vom Maschinenbau [WFS 2020a]. Die sächsischen Akteure im Leichtbaufeld sind im sächsischen „Kompetenzatlas Leichtbau“ aufgeführt, der im Internet abgerufen werden kann [WFS 2020b]. Jedoch ist darunter kaum Großindustrie mit Entwicklungsstandorten in Sachsen. Technologischer Fokus ist neben dem metallischen Leichtbau der textil- und kunststoffbasierte Leichtbau. Gemäß dem Masterplan ist Sachsens Wissenschaft „mindestens deutschlandweit bekannt für ihre ausgewiesene Kompetenz im Bereich des Leichtbaus“. So erreichen die Universitäten TU Chemnitz, TU Dresden und TU Freiberg sowie die HTWK Leipzig international eine exzellente Sichtbarkeit bei den Publikationen im Kontext Leichtbau. Jedoch entfallen nur 0,08 % aller angemeldeten Leichtbaupatente auf Anmelder aus Sachsen, was unter anderem ein Indikator dafür sein könnte, dass das Thema Leichtbau in Sachsen eher akademisch getrieben ist, denn die Universitäten und Forschungseinrichtungen melden erfahrungsgemäß nicht so viele Schutzrechte an wie Unternehmen. Die Leichtbau- Allianz Sachsen (LAS) wurde – unterstützt von der sächsischen Politik – 2016 als Kollaboration der drei sächsischen Technischen Universitäten im Bereich des Leichtbaus gegründet und seitdem systematisch erweitert und ausgebaut. Spezielle Landesförderprogramme mit Leichtbaufokus können im Rahmen der Studie nicht identifiziert werden. b. Bewertung der Hauptstadtregion im Bundesvergleich Im Rahmen der Onlinebefragung innerhalb dieser Studie sind die Akteure aufgefordert, zu bewerten, wie die Hauptstadtregion Berlin/ Brandenburg im Bundesvergleich aufgestellt ist (IST-Zustand). Die Ergebnisse werden im Folgenden dargestellt (vgl. Abb. 22). Insgesamt ist festzuhalten, dass die beste und zweitbeste Kategorie („sehr groß“ und „groß“) von den Befragten eher zurückhaltend vergeben wird (das bestbewertete Kriterium ist „Hochschul-/ Forschungslandschaft“ mit 44 %). Die Kriterien „sehr groß“ und „groß“ werden im Folgenden jeweils zahlenmäßig zusammengefasst. 28

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