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Leichtbau in der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg

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Branchenstruktur- und Standortanalyse für den Bereich Leichtbau in Berlin und Brandenburg

Potenzialanalyse

Potenzialanalyse Leichtbau Eine mögliche übergeordnete Leichtbaukoordinationsstelle für die Region sehen 32 % der Brandenburger und 46 % der Berliner Befragten mit einer Angabe von „sehr groß“ und „groß“ als effiziente Maßnahme an. Ergänzend ist festzuhalten, dass Berlin über eine Vielzahl an Technologieparks und Gründerzentren verfügt 9 und so ideal auf den Transfer (wissenschaftlicher) Erkenntnisse in den Markt ausgerichtet ist. Das gezielte Anwerben von Fachkräften von außerhalb der Region sehen nur 26 % der Berliner und 39 % der Brandenburger Befragten als relevant („sehr groß“ und „groß“) an. Somit besteht in diesem Bereich wenig Handlungsbedarf. Eine Förderung in den MINT-Fächern wird dagegen von 49 % der Berliner und 64 % der Brandenburger Befragten als hilfreich angesehen, wobei dies nicht zwingend im direkten Kontext mit Leichtbau zu sehen ist, sondern eher generell auf die Verfügbarkeit von MINT-Absolventen abzielt. Ebenfalls relevant für Berlin als auch Brandenburg sind notwendige Kenntnisse über potenzielle Kooperationspartner. Dies wird von 68 % der Berliner und 65 % der Brandenburger Befragten als wichtig für das Voranbringen des Standorts eingestuft. Bei der zielgruppenspezifischen Analyse bewerten 67 % der Berliner Unternehmen und 57 % der Brandenburger Unternehmen dieses Kriterium als sehr wichtig bis wichtig. Aus Sicht der Berliner Befragten würden gezielte deutschlandweite Marketingaktivitäten den Standort jedoch nur unwesentlich voranbringen (34 %). Dagegen sprechen sich 52 % der Brandenburger dafür aus, dass stärkere Marketingaktivitäten eine effiziente Maßnahme zur Stärkung des Standorts wären. 5. Bewertung des Standorts im Bundesvergleich Im nachfolgenden Kapitel werden folgende Fragen beantwortet: • Wie sind im Leichtbau etablierte Regionen aufgestellt? • Welche Rolle spielt die Hauptstadtregion Berlin/Brandenburg beim bundesweiten Vergleich im Leichtbau nach Einschätzung der befragten Akteure? a. Charakterisierung von Vergleichsregionen Im Rahmen der Recherche kristallisierten sich die Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg als im Leichtbau stark repräsentierte Bundesländer heraus. Zum weiteren Vergleich wurde auch das Bundesland Sachsen herangezogen. Die Recherche ergab, dass die im Leichtbau stark aufgestellten Regionen folgende gemeinsame Charakteristika aufweisen, die entsprechend zu ihrem Erfolg beitragen: • Kriterium 1: Eine starke Industriepräsenz entweder aufseiten der Anbieter (NRW: Materialproduzenten, Kunststoffhersteller) oder der Anwender (Bayern, Baden-Württemberg). • Kriterium 2: Langfristig angelegte Initiativen und Cluster, die seit etlichen Jahren bestehen und die Aktivitäten bündeln. Diese können entweder ausschließlich auf Leicht- 9 z. B. die Wissenschafts- und Technologieparks Berlin Adlershof: Ansässig ist dort unter anderem das Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie und die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). 25

Potenzialanalyse Leichtbau bau fokussiert sein (Baden-Württemberg, Sachsen) oder andere Schwerpunktbereiche der Anwender (z. B. Cluster Automotive Bayern) oder Anbieter (z. B. Cluster NanoMikroWerkstoffePhotonik.NRW in NRW) bedienen. • Kriterium 3: Förderung. Die Schwerpunktsetzung erfolgt unter anderem über gezielte Förderinitiativen im Kontext des Leichtbaus, die aus Landesmitteln finanziert werden. Die Ausprägung dieser Förderinitiativen ist in Frequenz (einmalige Initiative oder über mehrere Jahre fortgeführt) und Höhe der Fördervolumina unterschiedlich. • Kriterium 4: Forschung. Grundsätzlich ist die Forschungsinfrastruktur in allen Vergleichsbundesländern als „exzellent“ einzustufen. Die Regionen werden im Folgenden kurz vorgestellt. Bayern: Bayern hat traditionell einen Schwerpunkt im Bereich „Automotive“. Bayern ist weltweit einer der führenden Automobilstandorte im Premiumsegment. Die bayerischen Automobilhersteller gehören zu den erfolgreichsten der Welt. Von den „Top 100“-Automobilzulieferern der Welt haben vier ihren Hauptsitz in Bayern. Die Automobilindustrie beschäftigt in Bayern ca. 500.000 Menschen [SZ 2018]. Im Kontext des Wandels in Richtung Elektromobilität war Leichtbau daher früh ein Thema in Bayern: So wurde bspw. der „Lehrstuhl für Leichtbau und Flugzeugbau“ der TU München im Jahr 1978 in „Lehrstuhl für Leichtbau“ mit der Begründung umbenannt, dass Leichtbautechnologien auch Anwendung im Straßenverkehr finden können [TUM (2021a)]. Im Jahr 2000 wurde im Rahmen der High-Tech- Offensive Bayern dann das Kompetenzzentrum Neue Materialien Nordbayern mit Fokus auf Metall und Kunststoff gegründet [NMF 2021], das als Technologieanbieter für die Automobilindustrie fungiert. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bereich Luftfahrt. Dass Bayern im Bereich Forschung und Entwicklung einen Spitzenplatz einnimmt, lässt sich unter anderem an den Patentierungsaktivitäten ablesen. 42 % aller angemeldeten Leichtbaupatente entfallen auf bayerische Anmeldende, was Bayern somit zum Spitzenreiter bei den bundesweiten Patentanmeldungen macht 10 . Im Raum München existieren an der Technischen Universität sowie der Ludwig-Maximilians-Universität eine Reihe von Lehrstühlen der Werkstoffwissenschaften und des Leichtbaus. Unter anderem wurde ein Stiftungslehrstuhl für Carbon Composites in Kooperation zwischen der SGL Group und der TU München ins Leben gerufen [TUM 2021b]. Bayern hat mehrere Netzwerkinitiativen im Kontext Leichtbau sowie Anwendungen von Leichtbau: Der an der HAW Landshut aufgehängte Leichtbau-Cluster ist ein Netzwerk von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Dienstleistern zur Unterstützung und Förderung der branchenübergreifenden Zusammenarbeit in den Leichtbautechnologien [HSWL 2021]. Weiterhin haben die von Bayern Innovativ geführten Cluster „Automotive“ und „Neue Werkstoffe“ viele Schnittstellen zu Leichtbauthemen. Beispielhaft ist die Landesförderung von Leichtbauprojekten im Rahmen des Materialforschungsprogramms „Neue Werkstoffe“, mit besonderem Fokus auf „Werkstofftechnologische Innovationen im Fahrzeugbau mit Schwerpunkt auf Leichtbau und Additive Fertigung“ [BSW 2020]. Im Jahr 2019 stellte der Freistaat Bayern zusätzlich 40 Mio. Euro zur Förderung von Leichtbau und digitalen 10 Quelle: eigene Recherche 26

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