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Einrichtungsbefragung zur Situation in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg

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Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg ⎜ 65 tierte Partikularinteressen überwunden werden können. Dabei ist die Bereitschaft der Kassen, innovative Organisationsansätze der Träger zu unterstützen, weiter auszubauen. Hierfür könnte es nötig sein, dass die Träger ihre Kostenstrukturen differenzierter als bisher offen legen. Eine stärkere Zusammenarbeit der Verbände ist auch bei tariflichen Fragen zu empfehlen. In diesem Sinne sollten die Trägerverbände prüfen, inwieweit sie die Initiative des Landes Brandenburg zu einem allgemeinverbindlichen Lohn-Tarifvertrag für die Pflege 69 aufnehmen und die Umsetzung eines solchen Vorhabens aktiv vorantreiben. Aufgrund der spezifischen Trägerlandschaft in Brandenburg wäre es hierfür notwendig, dass sich eine ausreichende Zahl frei gemeinnütziger, kirchlicher und auch privater Träger für einen solchen Tarifvertrag einsetzen. Das kann nur gelingen, wenn freigemeinnützige und private Träger erkennen, dass hier ein gemeinsames Interesse besteht und die kirchlichen Träger nicht primär um ihre Sonderarbeitsrechte fürchten. 70 Damit einher geht an die Tarifpartner die Forderung, alle verfügbaren Maßnahmen zur Erhöhung der Tarifbindung in den Einrichtungen zu nutzen. Die größte strukturpolitische Aufgabe der nächsten Jahre und Jahrzehnte dürfte die notwendige Modernisierung des Versorgungssystems insgesamt sein. Ohne den breiten Ausbzw. Aufbau sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen, die die institutionellen Grenzen zwischen SGB V und SGB XI sowie den verschiedenen Leistungsbereichen des Gesundheitswesen überwinden, wird es weder möglich sein, die sich abzeichnenden Fachkräfteprobleme adäquat zu lösen noch eine qualitativ hochwertige Versorgung sicher zu stellen. Entwicklungen in diese Richtung sind in jedem Fall zu unterstützen und zu forcieren. Entsprechend wird empfohlen, die Förderung von Modellvorhaben zu Ansätzen sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen und von deren Verbreitung weiter auszubauen. Aktuell scheint hier ein steigender Handlungsdruck auf eine überschaubare Innovations- und Kompromissbereitschaft der betroffenen Akteure zu treffen. Staatliche Initiativen sollten daher nicht nur fördern, sondern im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch Veränderungen fordern, damit die beiden Bundesländer (und der Bund) ihre Gemeinwohlinteressen in der Gesundheitswirtschaft erfolgreicher als bisher durchsetzen können. Ein neuralgischer Punkt bei der Modernisierung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung wird die Gestaltung der Schnittstellen zwischen den Versorgungs- und Kompetenzbereichen sein. Die Frage wie Arzt und Ärztinnen, Gesundheits- und Krankenpfleger/innen, Altenpfleger/innen, Therapeut/innen und medizinisch-technische Assistent/innen zukünftig zusammenarbeiten, ist entscheidend für die Leistungsfähigkeit (und den Personalbedarf) der Gesundheitswirtschaft. Eine effektive Nutzung vorhandener Kapazitäten verlangt nach einer kompetenzgerechten Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen. Zusammenarbeit auf Augenhöhe, als Konsequenz kompetenzgerechter Kooperation, stellt aktuelle „Besitzstände“ in Frage und wird daher ohne Impulse von außen kaum zu 69 70 MASF (Hrsg.): Brandenburger Fachkräftestudie Pflege – Kurzfassung. Teltow 2014, S. 160 Vgl. hierzu auch: Ludwig, Christine: Bedingungen und Potenziale kollektiven Handelns in der Altenpflege. Chancen für Gute Arbeit in Zeiten des Pflege(fach)kräftemangels in Brandenburg. Eine Expertise im Auftrag des MASF, Potsdam 2013 (unveröffentlicht)

66 ⎜ Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg haben sein. Entsprechend sollten die landes- und bundesrechtlichen Rahmenbedingungen, die eine derartige Zusammenarbeit ermöglichen und fordern weiter entwickelt werden. Auch die Kostenträger haben die Möglichkeit, entsprechende Organisationsansätze zu unterstützen, indem sie in den Kostenverhandlungen Innovationsbereitschaft finanziell absichern und den gegebenen rechtlichen Rahmen für sektorenübergreifende Versorgung intensiver als bisher ausnutzen. Sektorenübergreifende Zusammenarbeit braucht darüber hinaus Vernetzung auf der lokalen Ebene. Erst wenn die Akteure vor Ort miteinander ins Gespräch kommen, lassen sich optimale Lösungen unter gegebenen Rahmenbedingungen entwickeln. Strukturvorgaben und Gesetztestexte stoßen an ihre Grenzen wenn sie auf regionale Spezifika treffen. Die Weiterentwicklung von Versorgungsstrukturen kann ohne regionales Know-how daher nur eingeschränkt gelingen. Überregionale Netzwerkstrukturen können hierbei Unterstützung leisten, indem sie Prozesse initiieren, fördern und moderieren. Die gezielte Weiterentwicklung der Netzwerkstrukturen der Berlin-Brandenburger Gesundheitswirtschaft unter Berücksichtigung der Herausforderungen der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung ist in jedem Fall angezeigt. Zu klären ist schließlich, wie weit die länderübergreifende Vernetzung vorangetrieben werden soll, um als eine Gesundheitsregion mit einem Arbeitsmarkt agieren zu können. Auf der einen Seite spricht einiges dafür, dass sich die strukturellen Unterschiede zwischen dem Berliner und dem Brandenburger Gesundheitsmarkt kontraproduktiv auf die Versorgungsstrukturen auswirken (in einem hoch regulierten Markt wie der Gesundheitswirtschaft belebt Konkurrenz eben nur bedingt das Geschäft). Die Bereitschaft, einen strukturellen Ausgleich herzustellen, wiederspricht auf der anderen Seite aber der Idee von einer (auch) marktlich organisierten Gesundheitswirtschaft. Es sollte zumindest diskutiert werden, ob nicht bspw. eine gemeinsame Krankenhausplanung für Berlin und Brandenburg auch nach einer gemeinsamen Ausbildungsplanung – unter Berücksichtigung der Anforderungen der Gesundheitsregion insgesamt – und einer gemeinsamen Tarifpolitik (um nur einige Beispiele zu nennen) verlangt. Insgesamt ist es mit der Einrichtungsbefragung gelungen, die Diskussion um die Zukunft der Berlin-Brandenburger Gesundheitswirtschaft mit neuen Impulsen und Ideen weiter voranzutreiben. In einigen Versorgungsbereichen konnten Erkenntnislücken gefüllt und es konnte ein empirisch fundiertes Bild von den möglichen Herausforderungen (der Fachkräftesicherung), vor denen die Branche steht, gezeichnet werden. Die im Diskurs mit den betroffenen Akteuren erarbeiteten Handlungsempfehlungen geben Hinweise darauf, wie sich die verschiedenen Gruppen an der Lösung der skizzierten Herausforderungen beteiligen können. Klar ist aber auch, dass die Zukunft nicht genau so sein wird, wie wir es heute erwarten. Die Modernisierung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung unter Berücksichtigung entstehender Fachkräftebedarfe ist ein langfristiger Prozess. Im Interesse einer zukunftsfähigen Fachkräftesicherung sollte es gelingen, Entwicklungen frühzeitig zu erfassen und deren Auswirkungen auf Gestaltungsspielräume und Handlungsbedarfe zu antizipieren. Um hierfür das notwendige Rüstzeug zur Verfügung zu haben, wird empfohlen, die Einrichtungsbefragung in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Der Zeitpunkt, das Format und die inhaltliche Ausrichtung solcher Anschlussstudien sind dabei am aktuellen Erkenntnisinteresse auszurichten.

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