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Einrichtungsbefragung zur Situation in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg

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Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg ⎜ 185 der letzten Jahre, so zeigt sich im Bereich der Masseure, Krankengymnasten und verwandten Berufe (die Physiotherapie macht einen großen Teil dieser Berufe aus) ein deutlicher Entgeltrückgang zwischen 2000 und 2010. Der Rückgang fällt in Berlin mit 10,5 Prozent deutlich stärker aus als in Brandenburg mit einem Minus von 3,9 Prozent. 175 Diese Entwicklung ist überraschend, da gleichzeitig ein Beschäftigungszuwachs zu verzeichnen war. Es wäre zu vermuten, dass die verstärkte Nachfrage nach Fachkräften Einkommenszuwächse zur Folge haben würde. Deutlich wird, dass in stark regulierten Märkten wie der Gesundheitswirtschaft Marktmechanismen nur eingeschränkt greifen (dass eine steigende Nachfrage nach Therapieleistungen eine steigende Vergütung mit sich bringt, ist offenkundig nicht zwingend der Fall). Ein Erklärungsansatz für diese negative Lohnentwicklung in den letzten Jahren kann in der Grundlohnsummenanbindung gefunden werden, die für die Vergütung aller Heilmittelerbringer konstitutiv ist. 176 Relevante Neueinstellungen in 2013 bei stark variierenden Stellenbesetzungszeiten Im Jahr 2013 haben 30 Prozent der Antwortenden in Vollzeit und 45 Prozent in Teilzeit mindestens eine Person eingestellt. Insgesamt sind im Jahr 2013 von den antwortenden Einrichtungen 509 Personen eingestellt worden, davon knapp die Hälfte in Vollzeit (46 Prozent, 234 Vollzeitstellen). Auch im Jahr 2014 setzt sich das rege Einstellungsverhalten im Bereich der Physiotherapie fort. Inwieweit 2013 der Fachkräftebedarf gedeckt werden konnte, lässt sich daran ablesen, ob eine Stelle aufgrund fehlender geeigneter Bewerber/innen nicht besetzt werden konnte. Diesbezüglich zeigen sich erste Anzeichen eines Fachkräfteengpasses. Immerhin 16 Prozent (49 Antwortende) gaben an, dass im Jahr 2013 insgesamt 66 Stellen offen geblieben seien. Wenn es zu Stellenbesetzungsproblemen gekommen ist, dann waren es im Wesentlichen Praxen, die davon betroffen waren. Zugleich zeigt das Antwortverhalten, dass offene Stellen eher in Berlin als in Brandenburg nicht besetzt werden konnten. Auf die Frage nach der durchschnittlichen Stellenbesetzungszeit für Physiotherapeut/innen gaben 24 Einrichtungen (16 Prozent) an, dass bei ihnen die Besetzung einer offenen Stelle weniger als eine Woche dauert. Ca. ein Drittel gibt an, dass sich die Besetzungsdauer auf maximal sechs Wochen beläuft. Insgesamt zeigt sich jedoch eine sehr breite Spanne in der Besetzungsdauer, die zwischen einer Woche und knapp zwei Jahren (100 Wochen) liegt. Dabei benötigt der Großteil der Einrichtungen eine Zeit bis zu einem halben Jahr für die Besetzung einer offenen Stelle. Im Ländervergleich zeigt sich, dass Brandenburger Einrichtungen – und hier ausschließlich Praxen – eine längere Zeit für die Stellenbesetzung benötigen als Berliner. Zusätzlicher Fachkräftebedarf aufgrund von Fluktuation Neben rentenbedingten Abgängen ist in jedem Berufsfeld ein zusätzlicher Fachkräfteverlust aufgrund von Fluktuation zu beobachten. Zu diesem Aspekt stehen für die Physiotherapie keine Primärdaten zur Verfügung. Die nachstehenden Überlegungen stützen sich 175 Vgl. Wiethölter et. al (2013): Die Gesundheitswirtschaft in Berlin-Brandenburg, in IAB Regional Berlin-Brandenburg, 01/2013, S. 52ff. 176 Zur Grundlohnsumme siehe Abschnitt 2.2.1

186 ⎜ Einrichtungsbefragung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in Berlin-Brandenburg entsprechend auf themenverwandte Analysen. 177 Zum Teil befassen sich die Studien mit der Frage, welche Gründe für eine geringe oder hohe Berufstreue ausschlaggebend sind. 178 Zum Teil beziehen sie sich auf Befragungen von Absolvent/innen von Berufsfachschulen hinsichtlich ihrer erwarteten Verweildauer im Beruf. 179 Die vorliegenden Studien lassen eine geringe Fluktuationsrate plausibel erscheinen. So steigt die Berufstreue übergreifend mit dem Qualifikationsniveau. Physiotherapeut/innen sind wie beschrieben in der Regel dem Anforderungsniveau der komplexen Spezialistentätigkeiten zugeordnet. Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit eines Berufswechsels, bei inhaltlich verwandten Berufen. Aufgrund der Spezialisierung im Bereich der Physiotherapie könnte dies als ein Hinweis auf eine hohe Berufstreue aufgrund geringer Wechselmöglichkeiten gedeutet werden. Für eine höhere Fluktuation spricht hingegen, dass Berufsabbrüche vor allem in den ersten Jahren nach Ausbildungsabschluss zu konstatieren sind. Die Physiotherapie ist im Bereich der sv-Beschäftigten ein junger Beruf, was entsprechende Auswirkungen auf die Berufsabbrüche haben könnte. Allerdings tragen diese für andere Gesundheitsfachberufe geltenden Befunde für die Physiotherapie nur bedingt, da die Ausbildung von den Auszubildenden zum Teil selber finanziert wird und daher eine hohe Motivation bestehen dürfte, diesen Gesundheitsfachberuf auszuüben. Entsprechend dieser Überlegungen wird angenommen, dass die Fluktuation auf dem Niveau der Gesundheits- und Krankenpfleger/innen liegt. Hierbei ist zwischen der Berufstreue im engen (Verbleib im gleichen Gesundheitsberuf) und der Berufstreue im weiten Verständnis (Verbleib im gleichen Gesundheitsberuf oder ähnlichen Berufen) zu unterscheiden. In Berlin waren 15 Jahre nach Ausbildungsabschluss ca. 17 (eng) bzw. 9 Prozent (weit), in Brandenburg ca. 14 Prozent (eng) bzw. 2 Prozent (weit) aus dem Beruf ausgeschieden (vgl. Wiethölter 3/2012, S. 23 f.). 4.10.2 Arbeitskräfteangebot Sinkende Arbeitslosenzahlen bei steigendem Fachkräftebedarf Der Bestand an Arbeitslosen verweist auf nicht genutzte Gestaltungsspielräume des Arbeitsmarktes. Für die berufsspezifischen Arbeitslosenzahlen liegen Zeitreihen der Jahresdurchschnitte von 2007-2013 vor. Abgebildet wird der Zielberuf der arbeitslos gemeldeten Personen. Insgesamt weist der Beruf Physiotherapeut/in einen kontinuierlichen Rückgang der Arbeitslosenzahlen auf, der mit marginalen Ausnahmen sowohl für Berlin als auch für Brandenburg zu konstatieren ist (vgl. Abbildung 24). 177 Beispielhaft zu nennen sind: Wiethölter, Doris (2012): Berufstreue in Gesundheitsberufen in Berlin und Brandenburg. Die Bindung der Ausbildungsabsolventen an den Beruf: Ausgewählte Gesundheitsberufe im Vergleich, in: IAB-Regional (3/2012); Joost, Angela, Kipper, Jenny, Tewolde, Tadios (2009): Projekt Berufsverläufe von Altenpflegerinnen und Altenpflegern.“ Abschlussbericht. 178 In erster Linie sind die Aspekte zu nennen wie Entlohnung, dauerhafte körperliche und psychische Belastung, Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben oder (mangelnde) Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. 179 Vgl. Golombek, Josephine; Fleßa, Steffen (2011): Einflussfaktoren auf die Verweildauer im Beruf und die Standortwahl des Arbeitsplatzes bei Gesundheits- und Krankenpflegern. Eine exemplarische Analyse bei Gesundheits- und Krankenpflegeschülern im zweiten und dritten Ausbildungsjahr in Berlin und im Land Brandenburg. In: Heilberufe Science 2011. Nr. 1.

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