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Berlin to go, Ausgabe 4.2019

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STARTUP Jungunternehmer

STARTUP Jungunternehmer Raphael Fellmer gründete das Startup SirPlus - mit Erfolg. JETZT AN MORGEN DENKEN Nachhaltigkeit bei der Ernährung steht vor allem bei jungen Startups hoch im Kurs Text: Christiane Flechtner Eine faule Stelle am Apfel, eine krumme Gurke, ein Joghurt mit abgelaufenem Verfallsdatum – vieles kommt gar nicht erst auf den Tisch und gelangt kaum in den Mund, sondern stattdessen direkt in den Müll. Das ist fatal – vor allem in Hinsicht auf die stetig wachsende Bevölkerungszahl und die dabei immer größer werdende Anzahl hungernder Menschen. Aber auch in puncto Klimawandel ist das Thema von Relevanz. Doch es gibt junge Menschen mit pfiffigen Ideen, die sich ganz konkret gegen die Verschwendung von Lebensmitteln einsetzen. Weltweit landet ein Drittel der Lebensmittel im Müll. So fallen in der EU fallen pro Person geschätzte 173 Kilogramm Lebensmittelabfälle an. Allein in Deutschland sind es jährlich mehr als 18 Millionen Tonnen Lebensmittel, die in der Mülltonne enden. Das entspricht einer Lkw-Ladung pro Minute. Jungunternehmer Raphael Fellmer wollte sich damit nicht abfinden – und gründete gemeinsam mit Martin Schott das Startup SirPlus. Er ist überzeugt davon, dass zehn Millionen Tonnen dieser Lebensmittelabfälle vermeidbar sind und vollkommen umsonst weggeworfen werden. „Wir haben die Vision von Fotos: © SIRPLUS, © Christiane Flechtner, © Too good to go 44

einer Welt, in der alles produzierte Essen gegessen wird und niemand Hunger leiden muss“, erklärt er. „Wir bringen daher überschüssige Lebensmittel wieder zurück in den Kreislauf, indem wir diese in unseren Rettermärkten oder in unserem Onlineshop zum Verkauf anbieten.“ In Berlin gibt es bereits vier Rettermärkte – in der Steglitzer Schloßstraße 94, in der East-Side- Mall in Friedrichshain, in der Karl-Marx-Straße 108 in Neukölln und in der Raumerstraße 36 im Prenzlauer Berg. Hier können Berlinerinnen und Berliner Lebensmittel kaufen, die eigentlich im Müll gelandet wären. Die Geschichte von SirPlus nahm ihren Anfang, als Raphael Fellmer 2009 erfuhr, dass die Hälfte aller Lebensmittel in Europa verschwendet werden. Er entschloss sich, zum Mülltaucher zu werden. Ein Jahr später trat Fellmer in einen jahrelangen Geldstreik, um Bewusstsein für die Lebensmittelverschwendung zu schaffen. 2011 gründete er die Lebensmittelretter-Bewegung – später Foodsharing. Seither arbeiten er und Martin Schott an der Mission, die Lebensmittelverschwendung zu beenden. Die Rettermärkte sind das Resultat dieser Mission: Lebensmittel, die bereits „abgelaufen“ sind, werden bei SirPlus von einem Qualitätsprüfer untersucht und anschließend günstiger wiederverkauft. Auch „unschöne“ Lebensmittel wie krumme Möhren oder Gurken oder unförmige Auberginen werden angeboten. Für Nicht-Berliner gibt es den Onlineshop www.sirplus.de. Es wird allerdings nicht nur Essen verschwendet, sondern auch viele Ressourcen, die bei der Lebensmittelproduktion verbraucht werden – sei es Wasser, Boden oder Arbeitskraft. So werden beispielsweise mit jedem Kilo nicht verzehrtem Brot 1000 Liter Wasser verschwendet. Die Jon Frisk und Mai Goth Oleson (v.l.) von Too Good To Go bei einem Besuch in einer Wittenauer Bäckerei. globale Lebensmittelmisswirtschaft ist zudem für acht Prozent der Treibhausgas emissionen verantwortlich. Und nicht erst in Supermärkten fängt das Problem an. Überall entlang der Wertschöpfungskette wird Essen verschwendet – quasi vom Acker bis zur Gabel. Ganz am Anfang setzt das Startup von Annalina Landsberg an. Die junge Frohnauerin hat mit www.deineernte. de eine Internetplattform gegründet, auf der Privatpersonen ihr Zuviel an Obst, Gemüse, Holz oder Blumen anbieten können. „Bei uns hingen am Pflaumenbaum immer so viele Pflaumen, dass wir sie gar nicht alle verarbeiten konnten“, erinnert sie sich. Nebenan gediehen die Kürbisse wie Kraut und Rüben, und den Nachbarn wuchsen die Walnüsse über den Kopf. Das Obst vergammeln zu lassen, kam für die Studentin nicht infrage. Also verschenken oder tauschen! Mittlerweile nutzen viele Berlinerinnen und Berliner sowie Brandenburger die Plattform, um ihr Obst und Gemüse, aber auch Marmeladen oder Honig anzubieten. „Es ist eine Win-Win-Situation für alle – auch für die Umwelt“, freut sich die 18-Jährige. „Wegwerfen war gestern“ gilt auch für „Too Good To Go“, auf Deutsch so viel wie „Zu gut, um es wegzuwerfen“. Das Social-Startup rettet ebenfalls Lebensmittel vor der Mülltonne, allerdings mit Blick auf eine andere Lebensmittel-Konsumentengruppe. „Wir helfen Restaurants, Cafés und Bäckereien, ihre überschüssigen Lebensmittel als Annalina Landsberg setzt bei www.deineernte.de auf Privatpersonen, die ihr überschüssiges Gartenobst und -gemüse anbieten. 45

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