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Berlin to go, Ausgabe 4.2016

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DISKURS WIR BEWEGEN DIE

DISKURS WIR BEWEGEN DIE WELT Udo Hoffmann, Geschäftsführer von Otis Deutschland, verrät Berlin to go, warum moderne Aufzüge nicht mehr am Seil hängen und wie man mit ihnen sogar Energie gewinnen kann Über 100 Jahre ist es her, dass sich Elisha Graves Otis und Carl Flohr, die beiden Väter des Aufzugs, persönlich in Berlin trafen – die Geburtsstunde von Flohr-Otis, aus dem das Unternehmen Otis am heutigen Hauptstadtstandort 1951 hervorging. Rund 900 Mitarbeiter bringen an der Spree die Produktion ins Rollen: mit dem größten Forschungs- und Entwicklungszentrum des Unternehmens und einem energieeffizienten Produkt- und Produktionsportfolio. Otis Deutschland und die US-Mutter Otis Elevator Company gehören zum UTC-Konzern (United Technologies Corporation) und sind Weltmarktführer für Aufzüge und Fahrtreppen. Aufzüge und Fahrtreppen sind aus Metropolen nicht mehr wegzudenken. Welche Rolle spielt Otis bei der Entwicklung der modernen Stadt? Udo Hoffmann (UH): Stellen Sie sich einfach vor, es gäbe keine Aufzüge und alles müsste über Kräne und Treppen nach oben befördert werden. Die Entwicklung moderner Urbanität verdankt Udo Hoffmann ist Geschäftsführer von Otis Deutschland. sich zu einem großen Teil der Erfindung des Aufzugs. Denn ohne Aufzüge gäbe es keine Hochhäuser und Industrieanlagen in der Form, wie wir sie heute kennen. Unser Firmengründer Elisha Graves Otis hat mit der Erfindung der Absturzsicherung 1853 den Grundstein für die Entwicklung der modernen Aufzugtechnik gelegt. Dieser Innovationsgeist beflügelt unser Unternehmen bis heute. „Wir bewegen die Welt“ lautet Ihr Leitmotto als weltgrößter Hersteller vor Aufzügen und Fahrtreppen. Was heißt das konkret? UH: Aufzüge und Fahrtreppen von Otis bewegen theoretisch alle drei Tage die gesamte Weltbevölkerung. Damit sind wir Transportweltmeister – das schafft sonst kein anderes Verkehrsmittel! Sie finden unsere Produkte rund um den Globus, vom Mehrfamilienhaus bis zum Wolkenkratzer. Besonders prominente Beispiele sind etwa das Burj Khalifa in Dubai, der Eiffelturm in Paris, die Petronas Towers in Kuala Lumpur, das ehemalige World Trade Center und in Berlin zum Beispiel das Sony Center, das neue Waldorf Astoria oder der Funkturm. In mehr als der Hälfte der weltweit 20 höchsten Gebäude befördern Otis-Aufzüge Menschen von A nach B. Wenn man sich vor Augen hält, dass deutsche Aufzugsanlagen jährlich 1.300 Gigawattstunden Strom verbrauchen, ist das offenbar mit einem erheblichen Energieaufwand verbunden, oder? UH: Das klingt zunächst nach viel. Durchschnittlich aber verbraucht ein Aufzug je nach Größe und Nutzen nur fünf Prozent der Energie eines Gebäudes. Und selbst das lässt sich optimieren. Unser Bestseller, der GeN2TM, ist mit einer regenerativen Antriebstechnik ausgestattet und wurde als weltweit erster Aufzug nach Energieeffizienzklasse A zertifiziert. Seine Besonderheit ist die Gurttechnologie, die schwere Stahlseile auf massiven Umlenkrollen abgelöst hat und damit erheblich zum Energiesparen beiträgt. Diese Gurte halten nämlich deutlich länger und arbeiten zudem fast geräuschlos. Wir haben weltweit mehr als 500.000 Aufzüge dieses Modells verkauft. Sind „grüne Lösungen“ wie diese eher die Ausnahme? UH: Nein, „grüne Lösungen“ sind bei uns schon lange der Standard und in allen unseren Produkten realisiert. In unserer Forschung und Entwicklung fokussieren wir uns auf die Themen Energiegewinnung, maschinenraumloser Antrieb und geringe Anschlusswerte. Am Beispiel erklärt: Unser regenerativer Antrieb ReGenTM spart Ressourcen, Fotos: Porträt Hoffmann: Die Hoffotografen; Aufzüge unten: www.tim-deussen.de; Aufzüge rechts: Michael Brunner 14 BERLIN TO GO

DISKURS indem er z. B. bei Leerfahrten gewonnene Energie wieder ins Stromnetz einspeist. Damit konnten wir die Effizienz unserer GeN2TM–Aufzüge um bis zu 75 Prozent verbessern. Sie können diesen Aufzug sogar an Solarpanels anschließen. Das Positive ist: Selbst alte Aufzugsanlagen lassen sich mit diesem energiesparenden Antriebssystem ausstatten. Darüber hinaus haben wir Aufzüge entwickelt, die mit 220 Volt angeschlossen werden können. Diese fahren mit einem Energiepuffer, der selbst bei Stromausfall noch „Reservefahrten“ zulässt und sich den Verbrauchsbedingungen flexibel anpasst. Wie setzen Sie Ihren Nachhaltigkeitsanspruch in der Produktion um? UH: Energiesparen beginnt bei uns bereits mit der Produktion an unseren Fertigungsstandorten in Frankreich, Spanien und hier in Berlin. In der Otisstraße stellen wir Steuerungen und elektronische Bauteile her. Neben einer Vielzahl von energiesparenden Maßnahmen haben wir hier z. B. in Spanien Solaranlagen installiert und achten innerwie außerbetrieblich auf kurze Lieferwege. Nachhaltigkeit schließt bei uns aber noch einen anderen Aspekt ein. Damit zukunftsfähige Entwicklungen nämlich überhaupt entstehen können, haben wir in Berlin eines unserer größten Engineering Center eingerichtet und suchen mit unserem Expertenteam bewusst die Nähe zu externen Startups Aufzüge von Otis sind auch im Kant-Atrium des Ludwig Erhard Hauses zu finden. und Think Tanks. So vernetzen wir uns auf internationaler Ebene mit dem Ingenieurnachwuchs und denken das Thema „Bewegung von Menschen“ aus immer wieder neuen Blickwinkeln heraus. Und Ihre Erkenntnisse daraus: Welchen entscheidenden Trend sehen Sie in der Aufzugstechnologie? UH: Konnektivität ist in den letzten Jahren das Zukunftsthema Nummer eins. Unsere modernen Aufzüge können Daten nicht nur zum effektiven Verbrauch und zu technischen Details des jeweiligen Aufzugs sammeln und ausgeben, sondern etwa auch zu den Verkehrsströmen in Gebäuden. In der Zusammenarbeit mit Architekten, Planern und unseren Servicetechnikern liefern sie so unverzichtbare Informationen. Inwieweit bietet Ihnen die Energiestadt Berlin den passenden Boden für derartige Innovationen? UH: Berlin ist ein Muss für uns! Nicht nur, weil wir hier seit über 100 Jahren zu Hause sind und Berlin als prominenter Arbeitgeber und Namensgeber unserer Straße prägen. Sondern auch, weil die Stadt die Wiege des deutschen Aufzugbaus ist und hier seit jeher Tradition und Innovation auf kreative Weise aufeinandertreffen. Unser Forschungs- und Entwicklungszentrum lebt von der Vernetzung und dem aktiven Austausch mit den Innovatoren vor Ort. Werfen wir den Blick voraus: Was kann der Aufzug der Zukunft? UH: Zum Mond fahren! (lacht) Ernsthaft: Technisch haben wir in den letzten 100 Jahren immense Entwicklungen gesehen. Man kann wirklich nur gespannt sein, was da noch kommt. Aufzüge und Fahrtreppen sind ein „people business“. Die Technik ist das Vehikel für das Bedürfnis des Menschen nach sicherer, angenehmer und schneller Beförderung. Und die werden wir – so viel ist sicher – auch künftig wegweisend mitgestalten. Dabei weiterhin so viel Erfolg und herzlichen Dank für das Gespräch! ih BERLIN TO GO 15

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