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Berlin to go, Ausgabe 3.2017

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STARTUP WENN DIE CHEMIE

STARTUP WENN DIE CHEMIE STIMMT Text: Eva Scharmann Foto: Fräulein Fotograf Gründerin mit grüner Vision: Sonja Jost zeigt mit dem Startup DexLeChem, wie Chemie nachhaltig geht An der Spitze von großen Chemiekonzernen haben Frauen Seltenheitswert, doch als Gründerinnen holen sie auf: 40 Prozent beträgt der Anteil von Frauen bei Existenzgründungen im Chemiebereich. Auch die Berliner Wirtschaft profitiert von innovativen und inspirierenden Gründerinnen – wie der Ingenieurin Sonja Jost. Die Geschäftsführerin von DexLeChem erneuert erfolgreich mit grüner Chemie ihre Branche. 44

Sonja Jost braucht keine Vorbilder, sie „macht einfach“. Die Ingenieurin hat in Berlin mit DexLe- Chem ein erfolgreiches Chemie-Startup gegründet. Als Erfinderin ist Sonja Jost preisgekrönt und als Botschafterin einer grünen Chemie auch über Deutschland hinaus bekannt. Sie vernetzt zudem Startups mit Geschäftsideen im Nachhaltigkeitsbereich. „Das hat sich alles Schritt für Schritt so entwickelt“, sagt Sonja Jost. Ihr Motto: Wenn man von einer Sache überzeugt ist, dann muss man daraus etwas machen. „Die Sache“ ist im Fall der Geschäftsführerin von DexLeChem ein von ihr erfundenes Katalyseverfahren. Dabei kann statt erdölbasierter Substanzen Wasser in der Produktion von Feinchemikalien für die Herstellung von Medikamenten und anderen komplex aufgebauten Molekülen verwendet werden. „Meine Erfindung spart endliche Ressourcen wie teure Edelmetalle und Erdöl ein und macht die Produktion günstiger“, schildert Jost die Vorteile. Etwa 90 Prozent der technischen Verfahren in der chemischen Industrie beruhen auf katalytischen Reaktionen: Katalysatoren bringen zum Beispiel chemische Reaktionen in Gang oder beschleunigen sie. Ein Schnellschuss war die Gründung von DexLe- Chem dabei nicht. Die Ingenieurin forschte nach ihrem Diplom an der Technischen Universität Berlin fünf Jahre mit mehreren Forschungsstipendien im Bereich der Katalyse weiter. Anschließend leitete sie ein Drittmittelprojekt zu „Katalysator Re-Using“ an der TU. Inspiriert „von der wissenschaftlich hohen Exzellenz, die in Berlin im Chemiebereich herrscht, und der starken Startup-Szene“ gründete Sonja Jost schließlich Anfang 2013 gemeinsam mit vier Mitgesellschaftern die DexLeChem GmbH. „Mir war aufgefallen, wie innovativ Wissenschaftler im Labor sind, wenn es um die Realisierung grüner Chemie geht – aber auf dem Markt kam und kommt davon zu wenig an“, sagt Sonja Jost. Der Wissenschaftlerin wurde klar: Sie muss selbst aktiv werden, damit ihre Erfindung nicht in einer Schublade verstaubt. Die Nähe zur TU und ein Gründungsprogramm für Wissenschaftler erleichterte dem jungen Unternehmen den Start: Jost und ihre Mitstreiter aus den Bereichen Theoretische Physik, Katalyse und Verfahrenstechnik konnten sich in Räumen der TU einmieten. Inzwischen ist das Unternehmen auf zwölf Mitarbeiter angewachsen und in den CoLaborator von Bayer in Berlin-Wedding umgezogen. In dem Inkubator des Chemiekonzerns können sich Startups aus den Biowissenschaften für mehrere Jahre einmieten und Labor- und Büroräume nutzen. Seit Anfang des Jahres finanziert sich DexLeChem komplett aus eigenen Umsätzen und will in Zukunft weiter wachsen: „Im nächsten Jahr wollen wir mit der großchemischen Produktion starten“, sagt Sonja Jost. Investoren dafür seien bereits gefunden. Und weil sie davon überzeugt ist, dass der grünen Chemie eine Schlüsselrolle auf dem Weg zu einer nachhaltigen Welt zukommt, vernetzt sich Jost mit anderen jungen Chemieunternehmen, „die ähnlich ticken wie wir“. Viele davon sind seien ebenfalls von Frauen gegründet worden. Ihr reger Einsatz für die boomende Chemieszene in Berlin zeigt Erfolg: „Der Berliner Senat hat jüngst sieben Millionen Euro für ein Chemie-Gründerzentrum an der TU bereitgestellt“, berichtet Sonja Jost dankbar. »Meine Erfindung spart teure Edelmetalle und Erdöl ein.« Die Netzwerkerin und Botschafterin der grünen Chemie ist selbst zum Vorbild für andere geworden: Sonja Jost wurde kürzlich von Edition F, Handelsblatt und Zeit Online als „eine der 25 Frauen, die die Welt verändern“ ausgezeichnet. „Der Preis ist eine gute Sache, um die exzellenten Leistungen der vielen Frauen in der Forschung und Entwicklung in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen“, meint Jost. Vor allem aber sei der Preis Anerkennung für die Leistungen des gesamten Teams von DexLeChem. Und Motivation für die Zukunft – schließlich hat die Vorzeigegründerin noch einiges vor. Ihr Lebensthema Nachhaltigkeit sieht sie auch als Chance für „eine Stadt, der ich viel zu verdanken habe und der ich etwas zurückgeben möchte“. „Berlin Engineering“, wie es im Untertitel des Firmennamens steht, soll in aller Welt zum Markenzeichen werden: mit einer nachhaltigen Chemie, die auf Wiedergewinnung, geschlossene Produktkreisläufe und einen verbesserten Technologieaustausch setzt. 45

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