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Berlin to go, Ausgabe 2.2018

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INTERVIEW MENSCH UND

INTERVIEW MENSCH UND TECHNIK Sportliche Höchstleistungen verlangen Spitzensportlern das Äußerste ab. Für Athleten mit Handicap gilt das in besonderem Maße. Ottobock-Manager Ralf Stuch erklärt im Interview, wie innovative Medizintechnik für Mobilität sorgt. DIE ZUKUNFT DES SPORTS HAT VIELE FACETTEN. Neben neuen Sportarten und Bewegungstrends rückt vermehrt die Versorgung von Leistungssportlern in den Fokus, die in ihrer Disziplin mit einer körperlichen Einschränkung nach Höchstleistungen streben. Hierbei spielt nicht nur das Thema Digitalisierung eine entscheidende Rolle, letztendlich stellt sich die Frage: Was kann, vielleicht aber auch, was darf die Medizintechnik von morgen leisten? Das Medizintechnikunternehmen Ottobock zeigt in seinem Science Center Berlin am Potsdamer Platz eindrucksvoll, was Menschen bewegt. Ein Forschungsfokus des Weltmarktführers für technische Orthopädie liegt auf elektronisch intelligenten Prothesen. Berlin to go sprach mit Ralf Stuch, Chief Sales & Marketing Officer (CSMO) bei Ottobock, der für die Themen Paralympics und Sportprothesen verantwortlich ist, über Gegenwart und Zukunft von technischen Orthopädielösungen für Sportler. Interview: Ines Hein 18

Alle Fotos:© ottobock.com SEIT 30 JAHREN UNTERSTÜTZT OTTOBOCK DIE PARALYMPISCHE BEWEGUNG. WIE FÄLLT IHRE BILANZ DER BISHER GRÖSSTEN WINTER- PARALYMPICS AUS? Ralf Stuch: Insgesamt haben wir in diesem Jahr 287 Athleten aus 39 Ländern betreut. Unsere 23 Techniker haben 2152 Stunden gearbeitet und die Sportler 410 Mal durch Reparaturen unterstützen können, zum Beispiel an Rollstühlen, Monoskis oder Eishockeygestellen. Das ist enorm, da wir im Vorfeld der Spiele mit 260 Reparaturen gerechnet hatten. Wir hatten also alle Hände voll zu tun und freuen uns, dass wir so vielen Athleten helfen konnten. Unser Schwerpunkt bei den Paralympischen Spielen ist von Beginn an der gleiche: Wir wollen den Athleten durch unseren technischen Support die Möglichkeit geben, an den Wettkämpfen, auf die sie sich seit Jahren vorbereitet haben, teilnehmen zu können. Niemand soll aufgrund eines technischen Defekts nicht starten können. IHR UNTERNEHMEN ARBEITET MIT FÜHRENDEN WISSENSCHAFTLERN ZUSAMMEN. ZU OTTOBOCK GEHÖRT AUCH DIE FIRMA BIONX. AN WELCHEN INNOVATIONEN ARBEITEN SIE AKTUELL? Es ist kein Geheimnis, dass der Zukauf von BionX und die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Hugh Herr vom Center for Extreme Bionics am Massachusetts Institute of Technology das Ziel haben, die intuitive Steuerung, die in der Armprothetik bereits gut funktioniert, auch auf die Beinprothetik zu übersetzen. Derzeit werden über verschiedene in der Prothese integrierte Sensoren und Mikroprozessoren die benötigte Energie, der Widerstand und die Beugung im Knöchelgelenk für jeden Schritt bestimmt und an die jeweilige Situation angepasst. Zukünftig sollen dann die Nerven die entscheidenden Impulse liefern, um die aktive Komponente anzusteuern. SIE HABEN GERADE AM WELTKONGRESS IHRER BRANCHE, DER OTWORLD, TEILGENOM- MEN, UM NEUE PRODUKTE NICHT NUR FÜR SPORTLER MIT HANDICAP VORZUSTELLEN. WAS WAREN IHRE HIGHLIGHTS? Auf der OTWorld, die im Mai in Leipzig stattgefunden hat, haben wir die neue Generation des C-Brace® vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein mikroprozessorgeregeltes Orthesensystem, das bei Lähmungen der unteren Extremitäten eingesetzt wird. Der Orthopädietechniker passt das C-Brace® mit einer speziell entwickelten App auf einem Tablet individuell an den Patientent an. Der Anwender kann es auf einem LED-Display direkt am Gelenk über eine Smartphone-App bedienen. Ein weiteres Highlight war die Vorstellung der Myo-Plus-Handprothese. Sie ist mit der sogenannten Mustererkennung ausgestattet, die durch unterschiedliche Muskelaktivitäten Bewegungsmuster erkennt und verschiedene Bewegungen und Steuerungen der Hand ermöglicht. INNOVATIONEN GEDEIHEN DURCH EINFLÜSSE. WELCHE ERKENNTNISSE HABEN SIE AUF DER SXSW FÜR IHRE ARBEIT GEWINNEN KÖNNEN? Faszinierend an der SXSW, dem jährlichen Tech- und Kulturfestival in Austin/Texas, war die Konvergenz der Überlegungen: Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley wie Tesla denken ebenso über fortschrittliche Hu- man-Machine-Interfa- ces (HMI) nach, also die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, wie „Trotz aller Fortschritte dürfen wir den Respekt vor der Natur nicht verlieren.“ wir es tun. In Austin kommentierte die globale Tech-Gemeinde mechatronische Handprothesen, Kniegelenkssysteme und mechatronische Füße bzw. Knöchelgelenke sogar als die idealen Komponenten für zukünftige Generationen von Cyborgs. Das ist sicher noch Zukunftsmusik! Aber mit dem iPhone als „als extended Brain mit hoher Rechenleistung“ ist ein erster Schritt getan, stellten Ottobock-Chef Professor Hans Georg Näder und Tesla-Gründer Elon Musk übereinstimmend fest. Entscheidend bleibt: Trotz aller Fortschritte dürfen wir den Respekt vor der Natur nicht verlieren. Ralf Stuch, Chief Sales & Marketing Officer (CSMO) bei Ottobock 19

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