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Berlin to go - Ausgabe 2.2015

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SERVICE ZWEI WELTEN, EIN

SERVICE ZWEI WELTEN, EIN ZIEL: INNO VATIONEN IN DEN MARKT Wie kann Technologietransfer nachhaltig gelingen? Diese Frage bewegt Dr. Andreas Eckert, Vorstandsvorsitzender der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, im Interview In der Hauptstadtregion werden immer wieder die Potenziale beschworen, die sich aus der dichten Wissenschaftslandschaft ergeben. Berlin to go sprach mit Dr. Andreas Eckert, dem Vorstandsvorsitzenden der Eckert & Ziegler AG, der als Vielfachgründer, Wagniskapitalgeber und erfahrener Unternehmer auf die aktuelle Situation und Möglichkeiten der lokalen Szene blickt. Herr Dr. Eckert, wie beurteilen Sie die Potenziale von Technologietransfer, und wie folgenreich verläuft der Zusammenschluss von Forschung und Industrie tatsächlich? Dr. Andreas Eckert (AE): Man kann die verschiedenen akademischen Bereiche nicht über einen Kamm scheren, das verläuft von Thema zu Thema unterschiedlich. Beim Diplom-Künstler an der UdK ist die Lage anders als bei Naturwissenschaftlern, und selbst dort sind die Differenzen von Fach zu Fach erheblich. In den Lebenswissenschaften etwa funktioniert der Technologietransfer im Wesentlichen nur über Patente. Die Kosten für die klinische Prüfung und die Zulassung sind zu hoch, als dass man ohne Schutz gegen Nachahmer eine Medikamentenentwicklung starten würde. Was sich nicht patentieren lässt, wird nicht entwickelt. Tausende genialer Einsichten bleiben deshalb unbearbeitet in den Archiven. Trotzdem aber interessiert sich die Pharmaindustrie für die Berliner Wissenschaft? AE: Der Industrie ist es relativ egal, wo Entdeckungen herkommen. Selbst mittelständische Pharmakonzerne sind heute international aufgestellt und können Patente von amerikanischen oder asiatischen Forschern genauso gut verwerten wie aus Berliner Universitäten oder Instituten. Diese leiden momentan daran, dass viel weniger ihrer Entdeckungen zu Medikamenten führen, als es ihrem eigenen Anspruch und der Zahl ihrer Wissenschaftler entspricht. Oft ist das ein organisatorisches Problem. Einen richtig gut organisierten, straffen Technologietransfer, der auch innerhalb der Organisation gute Anreize setzt, findet man selten. Was ist Ihrer Ansicht nach die Ursache für diese Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, wenn wir Technologietransfer als ein Modell betrachten? AE: Die Mehrzahl der lebenswissenschaftlichen Forscher sitzt an den Unikliniken. Für deren Vorstände und Verwalter kommt an erster Stelle die Absicherung der Krankenversorgung, dann der Kampf um die Investitionsbudgets mit dem ewig klammen Land, dann die als karrierewichtig wahrgenommene Publizitätsforschung, eventuell die Ausbildung. Da bleibt nicht mehr Foto: Hermann Bredehorst 22 BERLIN TO GO

SERVICE viel Energie für den Technologietransfer, zumal weder die Industrie noch die Wagniskapitalinvestoren Schlange stehen. Ein mühsames Geschäft. Bei der außeruniversitären Forschung ist die Ausgangslage günstiger, aber das Ergebnis ähnlich. Viele begnügen sich damit, Publizitätsforschung zu betreiben. Das Relevanzpotenzial, das sich aus der Umsetzung ergeben würde, schöpfen sie kaum aus. Oft entwickeln sich bloß ständisch anmutende Honoratiorenzirkel, deren wissenschaftliche Lyrik zwar von anderen Dichtern anerkennend gelesen wird, ansonsten aber nicht erkennbar oder zurechenbar zur Verbesserung der medizinischen Versorgung beiträgt. Hat Berlin mit der Einrichtung des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung dann nicht genau den richtigen Schritt getan? AE: Absolut. Ein klares Mandat nur für Anwendungsforschung, im Jargon „Translation“ genannt, im ersten Schritt 300 Mio. Euro an zusätzlichem Geld vom Bund, dazu ein Vorstand mit eigenem Verwaltungsstab. Ein tolles Modell. Bis vor Kurzem galt als Kampfauftrag zwar nur die „fächerübergreifende Ko operation“, doch die Findungskommission hat jetzt eine interessante Persönlichkeit für die Leitung gewinnen können. Wir freuen uns auf Herr Böttinger und hoffen, dass er seine einzigartige institutionelle Position nutzen kann, um der Charité und dem Max-Delbrück-Centrum zusätzliche Impulse zu geben. Mit den jährlich etwa 80 Mio. Euro kann man viel bewegen und Praxis in die Uni bringen. Werfen wir doch den Blick einmal über die Hauptstadtregion hinaus – wo könnten Anleihen für einen gelungenen Technologietransfer gemacht werden? AE: Natürlich könnte man hier zunächst die USA nennen, aber Israel und die Schweiz scheinen auch gut zu funktionieren. Die Gründe sind vielschichtig. Was zum Beispiel auffällt, ist die geringere ständische Schließung in anderen Ländern. Ein wissen schaftsfremder Kaufmann kann in Amerika eine Universität oder ein Institut leiten, wenn er sich als durchsetzungsfähiger und erfolgreicher Administrator bewährt. Hierzulande wird meist nur standesgemäß besetzt, wobei sie je nach Station nicht zu viele und nicht zu wenige Bildungspatente vorzeigen dürfen. In den Lebenswissenschaften etwa geht für verantwortungsvolle Forschungspositionen ohne Facharztpatent meist gar nichts. Die unter-40-Jährigen sind de facto außen vor. Sie wollen andere Leute für den Technologietransfer begeistern? AE: Ganz klar die Forderung, den akademischen Wettbewerb zu erhöhen und den Weg für Nachwuchstalente und Quereinsteiger freier zu machen. Die Vielfalt der sozialen Lagen scheint mir sogar wichtiger als die Vielfalt von Geschlecht und Ethnizität. Als Instrument für solche Reformen könnte man die Juniorprofessurstellen nutzen. Das Berliner Hochschulgesetz gibt die Möglichkeit her. Sollen die Auswahlkommissionen doch ohne Ansehen der formalen Vorqualifikation entscheiden. Man wird mehr Perlen als erwartet finden. Wie lautet nun Ihr Fazit für gelingenden Technologietransfer? AE: Man muss ihn wollen und ihn organisieren. Für mehr Resultate muss man jungen Leuten und Quereinsteigern den Weg ebnen. Vielen Dank für das Gespräch. Interview Ines Hein Zur Person Dr. Andreas Eckert Vorstandsvorsitzender der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, Gründer mehrerer Unternehmen der produzierenden Gesundheitswirtschaft, Wagniskapitalgeber und Aufsichtsratsvorsitzender von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie. ANZEIGEquer_ANZEIGE_TS 05.08.14 15:46 Seite 1 Anzeige Wir bewegen die Welt OTIS, weltweit größter Anbieter von Aufzügen, Fahrtreppen und Serviceleistungen, sorgt als starke Marke der UTC Building & Industrial Systems für eine integrierte Gebäudetechnologie. So werden Gebäude komfortabler, sicherer, intelligenter und nachhaltiger. Aufzüge Fahrtreppen Service OTIS.COM

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