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Berlin to go, Ausgabe 1.2017

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POINT OF VIEW TREFFPUNKT

POINT OF VIEW TREFFPUNKT DER BER- LINER STARTUP-SZENE Das St. Oberholz hat sich vom bekanntesten Café der deutschen Startup-Szene und Zuhause der digitalen Boheme zum multifunktionalen Coworking Space entwickelt Als Ansgar Oberholz im Sommer 2005 mit seiner heutigen Frau Koulla Louca das St. Oberholz in einem ehemaligen Burger King am Rosenthaler Platz eröffnete, läuteten sie mit ihrem Konzept eine neue Etappe der Digitalisierung von Dienstleistungen und damit verbunden eine neue Ära des kreativen Arbeitens im digitalen Umfeld ein. Vor rund zwölf Jahren gab es kaum digitale Schnittstellen in der Gastronomie: Bestelllisten an Lieferanten mussten in der Regel entweder gefaxt oder telefonisch abgestimmt werden. Auch die wöchentlichen Mittagsmenüs wurden per Handzettel verteilt oder gefaxt. Selbst die Schichtpläne wurden nicht elektronisch, sondern per Hand erstellt. So war es fast eine kleine Sensation in Gastronomiekreisen, als die beiden damit anfingen, die wöchentliche Karte per E-Mail-Newsletter zu verschicken. Noch gravierender zeigte sich das Konzept in der Gestaltung des Cafés. Koulla Louca und Ansgar Oberholz brachen mit der damals vorherrschenden Konvention der vielen kleinen Tische und stellten stattdessen wenige lange Tische auf. So waren die Gäste nicht nur gezwungen zusammenzusitzen – sie konnten sogar zusammenarbeiten, denn es gab hier sogar kostenlosen Zugang zu Strom und WiFi. War es anderenorts nicht gern gesehen, dass man im Café arbeitete, war es hier ausdrücklich erwünscht. „Meine Frau Koulla Louca und ich wollten an diesem historischen Ort ein ganz neues, urbanes Cafékonzept aufbauen. Daher waren für uns das Arbeiten im Café und damit Stromversorgung und WiFi wichtig, aber auch viele verschiedene Sitzmöglichkeiten, für Meetings, für inspirierende Blicke über den Platz. Für uns war es von Anfang an auch ein Experiment, wie das Konzept angenommen würde und was die Gäste damit anstellen würden“, erzählt Ansgar Oberholz. Das Konzept ging auf und seit mehr als zehn Jahren ist das Café eine feste Institution in der Gastronomie-, Startup- und Kulturszene der deutschen Hauptstadt. Innerhalb kurzer Zeit gab es kaum noch Gäste, die nicht zum Arbeiten kamen und die damit also keinen Laptop auf dem Tisch stehen hatten. Als das St. Oberholz startete, waren vor allem „Digital Natives“ da. Das Publikum hat sich aber verändert, wie Ansgar Oberholz resümiert. Heute kommen klassische Freelancer wie Journalisten, Fotografen und Grafikdesigner neben Leuten aus der Startup-Szene. Im Laptop-Café wurde und wird nicht nur anders gearbeitet, sondern auch viel gegründet. Das besondere Umfeld des St. Oberholz inspirierte die Gründer von Sound- Cloud, Zalando oder dem Betahaus. Audiodesigner Alexander Ljung und Musiker Eric Wahlforss haben zwar in Stockholm gemeinsam angefangen, den entscheidenden Durchbruch hatte das Projekt SoundCloud, eine Plattform zum Austausch von Musik, aber in Berlin. Im St. Oberholz hatten die beiden ihr inoffizielles „Office“. Im ersten Stock des Cafés trafen sich auch die Zalando-Gründer mit ihren ersten Investoren und die Gründer vom Betahaus und überlegten sich, dass es auch noch etwas anderes geben kann als Laptop-Cafés, um sich zu treffen und gemeinsam an Ideen und Projekten zu arbeiten. Heute ist 32

Foto: St. Oberholz / Berlin Partner das Betahaus ein Coworking Space – ein Ort, an dem man vorübergehend Büros mieten kann und das man als Treffpunkt für andere Gründer und Investoren nutzen kann. Auch das St. Oberholz griff das gemeinsame Arbeiten in professioneller Umgebung auf und bietet inzwischen neben einem Café auch einen Coworking Space sowie mietbare Team- und Meetingräume. Für Ansgar Oberholz war dieser Schritt die logische Weiterentwicklung der Kaffeehauskultur. Coworking Spaces sind seiner Ansicht nach nicht aus der Bürokultur, sondern aus der Kaffeehauskultur geboren. Coworking ist ein Evolutionsschritt in dieser Tradition und vereint Elemente aus Cafés und Büros und dem privaten Lebensraum in einer perfekten halböffentlichen Symbiose. Während es in Cafés auch einmal voll und laut sein kann, sind Coworking Spaces Arbeitsumgebungen, in denen Menschen fokussiert arbeiten. Da Denker und Gründer auch mal länger zusammenkommen, um Projekte voranzutreiben, gibt es seit 2009 im St. Oberholz auch Apartments. Zunehmend nutzen auch etablierte Unternehmen die Infrastruktur des St. Oberholz und schicken Teams in Coworking Spaces zum Arbeiten. Beispielsweise die BVG, die mit ihrem Innovationsteam dort eine App für Fahrradfahrer entwickelt hat. Das Gebäude, in dem sich das St. Oberholz befindet, schreibt nicht nur in der Gegenwart Geschichte, sondern verkörperte mit dem Gasthaus Aschinger auch schon um die vorige Jahrhundertwende den Zeitgeist. Denn die Aschingers füllten damals mit ihren Gasthäusern, die aufgemacht waren wie großbürgerliche Restaurants, in denen es aber viele kleine, schnelle Speisen zu erschwinglichen Preisen gab, eine Lücke für die immer stärker wachsende Angestelltenschar. Heute ist das St. Oberholz Keimzelle vieler digitaler Unternehmungen, aber das Thema Digitalisierung spielt auch in gastronomischer Hinsicht eine Rolle. Großes Potenzial hätten laut Ansgar Oberholz vor allem die iPad-Kassensysteme, die sich über das Internet steuern lassen. Die größte Veränderung für Gastronomen kommt allerdings durch andere digitale Entwicklungen, nämlich die vielen Lieferservices wie Foodora oder Delivery Hero, die auf Onlinebestellung basieren. Text: Anke Templiner 33

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