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Berlin to go, Ausgabe 1.2017

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DISKURS

DISKURS Prozessleitzentrale im Tegeler Wasserwerk Es fließt viel Wasser durch die Stadt: Rund 500.000 Kubikmeter Trinkwasser werden täglich in Berlin verbraucht. 7.900 Kilometer Wasserleitungen transportieren das Nass zum Verbraucher. Und weil die deutsche Hauptstadt wächst, wird jedes Jahr mehr Wasser benötigt und die Infrastruktur entsprechend angepasst. Hinzu kommt der Klimawandel: 2016 war ein Jahr mit viel Starkregen – sichtbarer Ausnahmezustand in Berlin war der überflutete Gleimtunnel. Für die Wasserwirtschaft werden die Aufgaben immer komplexer. Höchste Zeit für „Wasser 4.0“: Bei der Digitalisierung und Vernetzung der Wasserwirtschaft nimmt Berlin eine Vorreiterrolle ein. Im Gebäude K herrscht viel Betrieb. Frauen und Männer laufen geschäftig durch die 600 Quadratmeter große Halle oder sitzen an einem der 20 Prüfstände vor ihren Laptops. Das Stampfen einer Pumpe erfüllt den Raum. In dem historischen Klinkerbau auf dem Gelände der Technischen Universität Berlin (TU) an der Fasanenstraße befindet sich die Versuchshalle des Fachgebiets Fluidsystemdynamik, das sich mit allen strömungstechnischen Fragen im Maschinenbau beschäftigt. „Hier haben wir ein Beispiel dafür, wie Wasser 4.0 in der Praxis aussehen kann“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Paul Uwe Thamsen. Der Universitätsprofessor und Fachgebietsleiter zeigt auf eine Versuchsstation, die aus einem großen gläsernen Wassertank, einem leuchtend blauen Pumpensystem und einem unscheinbaren Schaltschrank besteht. „Das ist eine intelligente Pumpstation“, sagt Thamsen. Der digitale Wandel in der Wasserwirtschaft wird in Anlehnung an „Industrie 4.0“ als „Wasser 4.0“ bezeichnet. Obwohl die Branche traditionell als eher konservativ gilt, hat man die Zeichen der Zeit erkannt: „Wasser 4.0 stellt die Digitalisierung und Automatisierung in den Mittelpunkt einer Strategie für eine ressourceneffiziente, flexible und wettbewerbsfähige Wasserwirtschaft." Das ist die Definition von German Water Partnership (GWP), einem breit aufgestellten Netzwerk der deutschen Wasserwirtschaft. Die GWP sieht dank der Digitalisierungsstrategie gute Möglichkeiten, eine hohe Transparenz für Wassernutzer und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen. Für Thamsen ist „Wasser 4.0“ eine Evolution, keine Revolution. „Denn wir bauen auf Vorhandenem auf.“ Von der Automatisierung sei man nun unterwegs zur nächsten Entwicklungsstufe. Besonders im Abwasserbereich nennt der Wissenschaftler konkrete Umsetzungsbeispiele: „Hier kommt uns zugute, dass wir schon seit über zehn Jahren in diesem Bereich forschen und entwickeln.“ Gemeinsam mit anderen Forschungsinstituten und den kleinen und mittleren Unternehmen, die Berlins Wasserwirtschaft prägen, ist die TU über Netzwerke wie Aquanet Berlin-Brandenburg in innovative Projekte mit dem Schwerpunkt intelligente Wasserinfrastruktursysteme eingebunden. »Wir haben beim Thema Wasser 4.0 eine Vorbildrolle für Wasserversorger im ganzen Land.« Zurück zur Pumpstation in der Versuchshalle: In der Anlage werden „Innovative Mechatronische Einwirksysteme zur Betriebsoptimierung komplexer Abwassersysteme“ (IMEBA) eingesetzt. Das System kann über eine Sensorik Diagnosen stellen, selbstständig Handlungsmaßnahmen ableiten und aktiv reagieren. Das bedeutet: Verstopfungen, beispielsweise durch Feuchttücher, können mit Rückspülen beseitigt werden, ohne dass von außen eingegriffen werden muss. „Außerdem ist übers Internet eine Fehlerdiagnose aus der Ferne möglich“, erläutert Thamsen. „Live“ kam die schlaue Pumpstation ebenfalls schon zum Einsatz: Bei den Berliner Wasserbetrieben (BWB) wurden Anwendungstests in verschiedenen Hauptpumpwerken durchgeführt und ausgewertet. Dort, wo Abwasser via Druckleitung zu den Klärwerken befördert wird, kann die TU-Entwicklung Prozesse effizienter machen und Kosten sparen: Durch die sehr gute Bekämp- 18

fung von Verstopfungen ließen sich pro Hauptpumpwerk in drei Monaten rund 10.000 Euro einsparen, rechnet der Wissenschaftler vor. Die BWB sind das größte städtische Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland und die Hauptpumpwerke Teil einer gewaltigen Wasserinfrastruktur: Aus 650 Brunnen fließt das Berliner Grundwasser in eines der neun Wasserwerke. Über Leitungen mit einer Länge von rund 7.900 Kilometern werden Haushalte, Industrie und Gewerbe mit Trinkwasser versorgt. „Die hohe Qualität unseres Trinkwassers hat zu jeder Zeit Priorität, und deshalb sind wir hier etwas vorsichtiger mit dem Einsatz von neuen digitalen Lösungen“, sagt Jens Feddern, Leiter der Wasserversorgung. Cybersicherheit sei bei einer kritischen Infrastruktur wie der Trinkwasserversorgung naturgemäß ein großes Thema, und es müssten dringend verbindliche Mindeststandards für die Datensicherheit umgesetzt werden. Gleichwohl sehen die BWB die Digitalisierung als Chance. „Wir haben beim Thema Wasser 4.0 eine Vorbildrolle für Wasserversorger im ganzen Land. Deshalb forschen wir intensiv und sind in zahlreichen Projekten eingebunden, um Herausforderungen wie Urbanisierung und Klimawandel mit smarten Lösungen begegnen zu können“, betont Feddern. Ein Beispiel ist KURAS: In dem Verbundforschungsprojekt haben BWB-Experten gemeinsam mit anderen Akteuren aus der Wirtschaft und Forschung „Konzepte für urbane Regenwasserbewirtschaftung und Abwassersysteme“ entwickelt. Zu den erarbeiteten „4.0-Lösungen“ zählen verbesserte Simulationsprogramme, die genaue Vorhersagen für das Strömungsverhalten von Wasser ermöglichen, und die Einbindung von externen Datenquellen wie Wetterdaten in ein webbasiertes Analysetool. KURAS macht auch deutlich: Für eine nachhaltige Regen- und Abwasserbewirtschaftung – und um Starkregenereignisse wie im Juli 2016 am Gleimtunnel künftig besser beherrschbar zu machen – müssen alle Akteure in Berlin an einem Strang ziehen. „Wichtig sind nicht nur eine bessere Technik, sondern beispielsweise auch innerstädtische Versickerungsflächen und Gründächer“, sagt Jens Feddern. OHNE STRESS OHNE STAU OHNE CO 2 ANZEIGE GO! MIT Express & Logistics general-overnight.com/berlin 030 850085 19

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